Camponotus piceus - Koloniegröße

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Geltungen » Dienstag 15. Juni 2021, 00:14

Guten "Abend",

mich würde für ein Langzeitprojekt interessieren, wie groß
Camponotus piceus in Bezug auf die Koloniegröße wird.

Jetzt gibt es Bericht mit "einigen hunderten Arbeiterinnen" und
Quellen, die die Anzahl auf 500-2000 Arbeiterinnen beziffern.

Jetzt weiß ich, dass @Boro viel Erfahrung gesammelt hat
und natürlich gewiss der ein oder andere Halter bereits
Eindrücke erhalten haben wird.

Könnt ihr mir da weiterhelfen?

Aktuell pflege ich 3 Kolonien
1x Gyne mit Knick (Gaster) - bringt nur Minor-Arbeiterinnen "zur Welt" - ihr geht's trotzdem sehr gut.
Wird immer besser.

2x Gynen mit etwas über 12 Arbeiterinnen, massig Brut.

Ziel ist schon noch, alle 3 auf 120-200 Individuen zu bringen bis zum Jahresende.

VG
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Re: Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Boro » Mittwoch 16. Juni 2021, 17:12

Hallo Geltungen!

Über die Koloniegröße von C. piceus findet man in der Literatur nur wenige und vage Angaben: Seifert (2007) nimmt dort nicht Stellung, aber in Seifert (2018) ist von einigen 100 bis über 1000 Individuen die Rede. Ich denke, das muss man so belassen. Ich habe 2 Nester der Art im Garten (Steingarten), deren Koloniegröße ich bestenfalls auf etwa 100 Exemplare schätzen würde. Eine Zählung ist nicht möglich, da müsste ich das Nest zerstören und das bei einer Art, die bei uns vom Aussterben bedroht ist (Wagner, Die Ameisen Kärntens 2014). Ich bin glücklich, dass ich die seltene Art bei mir habe und vermeide jegliche Neststörung. Abgesehen vom Standort selbst (Höhe, Mikroklima, Exposition) sind für die nachhaltige Ansiedlung weitere Faktoren ausschlaggebend: z. B. Ressourcenverfügbarkeit, Konkurrenz anderer Ameisenarten, Räuber-Beute-Beziehungen, das Auftreten von Parasiten und vor allem die menschlichen Eingriffe in die Natur. Diese Faktoren sind im Steingarten teilweise ungünstig: Lasius niger und L. emarginatus als ewig lästige Konkurrenten, Temnothorax- und Leptothorax-Arten spielen keine Rolle. Formica cunicularia und F. fusca stellen an sich keine Gefahr dar, sind aber ungute Beute-Räuber. Der häufige Dolichoderus quadripunctatus ist subdominant. Alles in allem werden meine Kolonien zahlenmäßig kaum je größer werden, beide produzieren aber jedes Jahr (weibliche) Geschlechtstiere.
Zur verwandten Art C. lateralis (mit der früher C. piceus als Unterart geführt wurde) nennt Seifert (2018), dass bei Terrarien-Haltung bis etwa 10.000 Tiere möglich sind (aber sicher nur bei bestmöglicher Versorung in jeder Hinsicht). Vor vielen Jahren habe ich einmal ein C. piceus-Volk (aus Istrien) im Terrarium gehalten. Da sind sie vielleicht auf 200 Tiere angewachsen, bis das Volk Milben zum Opfer fiel.
L.G. Boro
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Boro
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Re: Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Geltungen » Mittwoch 16. Juni 2021, 18:29

Die Entwicklung von C.piceus ist meiner Beobachtung nach recht schnell.
Aber ja, der Platzbedarf ist minimal.

Wenn man den Entwicklungsstand auf etwa 100-1000 Tiere definieren kann,
könnte ich mich nun an geeignetere Nester machen, als dem Reagenzglas.
(Wobei das gar nicht die schlechteste Variante ist, bin ich der Meinung...)

Nach meiner Suche scheint Kork auch eine interessante Möglichkeit zu sein,
diese Art zu halten.

Mit 3 Kolonien strebe ich natürlich ein besonderes Anliegen an,
darum sind die Angaben zur Koloniegröße entsprechend wichtig,
um die Größe der Nester ungefähr bestimmen zu können.

Vielen Dank!
Geltungen
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Re: Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Geltungen » Mittwoch 16. Juni 2021, 18:45

Nachtrag:

Konnte gerade einigermaßen gute Bilder machen mit meiner Makrolinse:

Königin 1 ( eingedrückte Gaster ) bringt nur Minor-Arbeiterinnen und darüber zur Welt.
20210616_193451.jpg
Die Gaster ist verletzt durch das Sammeln oder andere Umstände ( kann ich nicht bestimmen )
20210616_193451.jpg (10.15 KiB) 2145-mal betrachtet

Königin 2 + 3 Pygmäen durchgehend
20210616_193433.jpg
Kolonie 2
20210616_193433.jpg (27.99 KiB) 2145-mal betrachtet

Kolonie 3
20210616_193422.jpg
Kolonie 3 - legt los (2)
20210616_193422.jpg (30.81 KiB) 2145-mal betrachtet

20210616_193410.jpg
Kolonie 3 - legt los

Rg-Haltung aktuell 16-06-2021
20210616_193338.jpg
RG-Haltung Stand 16.06.2021


Die Entwicklung zieht jetzt voll an.

Viele Grüße
Geltungen
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Re: Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Boro » Donnerstag 17. Juni 2021, 09:04

Hallo Geltungen!
Weißt du woher deine Völker stammen?
C. piceus verwendet nur Erdnester, oft auch unter Steinen, das sollte man bei der Nistplatzwahl vielleicht berücksichtigen.
Kleine Nebenbemerkung: Selbständig gründende Königinnen bringen keine Minor-Arbeiterinnen "zur Welt". Die Entwicklung und Größe der Arbeiterinnen hängt von der Fütterung ab. Da die Königin claustral gründet, werden die Larven nur von den Reservestoffen der Königin ernährt, das bedeutet, dass sie in der Regel sehr klein bleiben; man spricht von "Pygmäen". Media- und Major-Arbeiterinnen werden erst mit zunehmender Populationsgröße und dem Eintrag auswärtiger Nahrung herangezogen. Ab einer gewissen Populationsgröße werden dann später Geschlechtstiere aufgezogen, wobei vor allem die jungen Gynen spezielle Nahrung benötigen. Bei guter Haltung wirst du das wahrscheinlich in ein, zwei Jahren sehen. Ich wünsche viel Erfolg!
L.G.
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Re: Camponotus piceus - Koloniegröße

Beitragvon Geltungen » Donnerstag 17. Juni 2021, 10:10

Vielen Dank :!:
.. werde mir Mühe geben.

Die Kolonien selber habe ich von einem "Zwischenhändler" aus Südfrankreich erhalten.
Dieser sagte, sie seien dort gefunden worden.

Aber natürlich kann es auch ganz anders sein - ganz steckt man nie dahinter.

"zur Welt" bringen, war nun nur eine liebe Umschreibung. Pardon! :)


Edit:

zu "reine Erdnester";

Ytong Grundform 1-3 Kammer Nester (Kreisbohrung)
+ Sand/Lehm+Gips (Kombi-Gemisch)
flach fliegend + kurzen Weg zur Arena.

..werde ich wohl für alle 3 erstellen.

Danke für die Info + den Hinweis.
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