Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2019

Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2019

Beitragvon Reber » Samstag 16. Februar 2019, 20:20

Heute stieg das Thermometer wieder auf 12 C°, den dritten Tag in Folge waren Temperaturen von über 10 C°zu verzeichnen, was die Honigbienen veranlasste wieder ihre Reinigungsflüge aufzunehmen und erste Hasel-Pollen einzutragen.

Und auch die ersten Ameisen erwachen zaghaft aus der Winterruhe. Deshalb mache ich schon mal diesen Faden hier auf:

Art: Myrmica sp.


Wo: Weideland, westlich von Bern.

Wann: 16.02.2019, 14.00 Uhr.

Wetter: Sonnig, 12 C°.

Anmerkungen: Eine einzelne Arbeiterin spaziert über den Deckel eines Schwelger-Hummelkastens.

Myrmica sp 16 Feb.jpg
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„Doch vor allen Dingen:
Das worum du dich bemühst,
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Boro » Mittwoch 27. Februar 2019, 19:11

Heute war bei uns der erste wirklich warme Tag mit fast 20°! ich bin sofort fündig geworden:
1. Formica cunicularia, 2 Arbeiterinnen am Steingarten
2. Mehrere Exemplare des thermophilen Dolichoderus quadripunctatus sowohl auf/in meinem gut besonnten Insektenhotel (!) und auf einem weniger gut besonnten Steher meines Rhododendron-Abschattungs-Gerüstes.
.....und eine Holzbiene hat zu meiner Freude ebenfalls "Wohnungen" im Insektenhotel inspiziert!
L.G.
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Gilthanaz » Mittwoch 27. Februar 2019, 20:46

Bei mir erwachen die Ameisen ebenalls... allerdings im Haus. Innerhalb von fünf Tagen sind mir vier Exemplare über den Weg gelaufen, die ich nicht als eine von mir gehaltene Art identifizieren konnte - Camponotini sind, bis auf eine Jungkolonie Camponotus cf. nicobarensis, im Außenkeller eingewintert. Letztere sind aber anders gebaut, viel kleiner und farblich abweichend... also wohl doch kein Ausbruch ;)

Am1.png


Am2.png


Am3.jpg


Da nur ein Handy verfügbar war, sind die Bilder dementsprechend qualitativ Kategorie "Bigfoot-Foto" :) Das Tier war auch nicht kooperativ, obwohl noch recht träge unterwegs.

Edit: C. fallax wäre nicht das erste Mal hier im nördl. Burgenland. Sollte vielleicht mal die Balken im Holzhaus abklopfen...
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Merkur » Donnerstag 28. Februar 2019, 09:59

Im Forum der Dt. Ameisenschutzwarte hatten wir kürzlich einen ähnlichen Fall, bei dem Dr. Heller eine sehr ähnlich aussehende Ameise als Camponotus fallax
identifiziert hat: https://www.ameisenschutzwarte.de/forum ... 8088#p8088
Mir scheint, dass diese Art in Ausbreitung begriffen ist.
In D ist sie auf der Roten Liste noch als "V" = near threatened (Vorwarnliste) verzeichnet (Seifert 2018), sowie als "lokal und selten".
Allerdings sind die Roten Listen in der Regel recht alt, sicher zum Teil überholt, und die Datengrundlagen sind recht fragwürdigige Einschätzungen.

MfG,
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 28. Februar 2019, 16:05

Inzwischen kann ich auch an jedem Sonnentag die Formica pratensis beim Sonnen beobachten, auch wenn die Luft noch recht frisch ist und es der Wind nicht unbedingt besser macht.

Was die Arten auf der roten Liste angeht, dürfte man doch wohl inzwischen mit Verschiebungen, gerade bei eher wärmeliebenden Arten rechnen. Die Klimaerwärmung läuft ja schließlich schon ein paar Jahre.
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Boro » Donnerstag 28. Februar 2019, 18:57

.....und es geht weiter: Bei so hohen Temperaturen wie derzeit werden im Prinzip alle Arten bald munter. Die Bodentemperatur lässt vielerorts noch zu wünschen übrig.
Heute über 21°C: Formica fuscocinerea im Garten zwischen den Waschbetonplatten
Lasius fuliginosus am Stamm einer Rosskastanie außerhalb der Stadt.
L.G.
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon swagman » Donnerstag 28. Februar 2019, 19:42

Trailandstreet hat geschrieben:Was die Arten auf der roten Liste angeht, dürfte man doch wohl inzwischen mit Verschiebungen, gerade bei eher wärmeliebenden Arten rechnen. Die Klimaerwärmung läuft ja schließlich schon ein paar Jahre.

Ich wage zu behaupten, dass man hierzu wohl kaum Vorhersagen treffen kann. Bisher scheint es, dass auch die wärmeliebenden Insektenarten einen starken Rückgang im Bestand zeigen.

Und um beim Thema zu bleiben, in meinem Garten ist Lasius niger schon seit zwei Wochen aktiv. Allerdings hat mein Garten ein günstiges, wärmeres Mikroklima. Es blühen inzwischen auch schon die ersten Narzissen.
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Sir Joe » Donnerstag 28. Februar 2019, 20:43

Lasius fuliginosus erwachen bei mir auch so langsam wieder.

Die Bilder sind vom 24.02.19 bei ca. 15°C
20190224_132146_.jpg

20190224_132206_.jpg
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Temnothorax affinis: Rascher Nestwechsel im Frühjahr

Beitragvon Merkur » Sonntag 3. März 2019, 11:43

Hier hatte ich am 26. Feb. 2019 unter „Bilder des Tages“ über ein Völkchen von Temnothorax affinis berichtet,
das aus einem Bambusröhrchen freigesetzt wurde, nachdem es am 23. Feb. aus einem Schlehenstrauch gefallen war.

Die Stücke des bewohnten Bambusröhrchens hatte ich in eines unserer Dreikammer-Formikarien gelegt.

1-T.aff._1297.jpg
So sah das zunächst aus.
Die grauen und grünlichen Krümel sind Reste vom Verschluss des Nesteingangs, zum Teil wohl Stückchen von Flechten.

2-T.aff._1300.jpg
Dann habe ich die Reste des Röhrchens ausgeklopft.
In der im Bild linken Kammer lag eines der Objektträgernestchen, mit roter Folie abgedeckt. Das Formikar ist 10 x 10 cm groß, mit einem 3 cm hohen Rand,
der innen dünn mit Paraffinöl bestrichen wurde. Das Ganze legte ich in die Garage, bei acht bis 14°C.

3-T.aff_1307.jpg
Das Formikar in der Übersicht.
Am 26.07. hatten sie das Objektträgernestchen bezogen und sich wieder zu einer „Wintertraube“ zusammen gruppiert. In der mittleren Kammer liegt ein
Schälchen mit etwas Honigwasser, in der im Bild rechten eines mit Trinkwasser. Die Durchgänge der Trennwände (links unten, rechts oben) sind so angeordnet, dass ein Feuchtigkeitsgradient
zwischen der Nestkammer (über der sich im Deckel eine Belüftungsöffnung befindet) und der rechten "Wasserkammer" entsteht. Der Boden besteht aus Gips.

4-T.aff.Wi-Traube_1309a.jpg
Die "Wintertraube" im Kunstnest.

Am Nachmittag des 01. März habe ich das Objektträgernestchen mit dem Ameisenvolk darin in ein größeres Dreikammer-Formikar (19 x 11 cm) gelegt, und ein neues Stück Bambusrohr in die längste Kammer.
Bis abends waren die Ameisen noch in dem Objektträgernest. Das Ganze wollte ich am 02. März um 11:00 fotografieren. Doch zu meiner Überraschung waren die Tiere komplett in den Bambus umgezogen!
Temperatur in der Garage maximal 14°C (am 01. März), nachts minimal 8°C.

5-T.aff.-Nest-neu_1315_1.jpg
Sie sind im Bambus!
Eine Möglichkeit zum Auswandern gibt es nicht, da der Deckel dicht schließt und auch die Lüftungsöffnung darin mit eingeklebter Drahtgaze
kein Durchkommen erlaubt. Nun wird das Bambusröhrchen wieder in die Schlehe gehängt, so bald es etwas wärmer wird.

Dürre Zweige mit T. affinis-Völkchen fallen oft von Bäumen. Dennoch findet man sie am Boden nur im Winter bei niedrigen Temperaturen. In wärmeren Jahreszeiten scheinen sie doch bald wieder
umzuziehen, nach Möglichkeit auf Sträucher oder Bäume, wo sie in Borke oder dürren Ästchen neue Nester finden. Dass ein Umzug auch bei den jetzt beobachteten Temperaturen so rasch erfolgen kann,
hielt ich bisher nicht für möglich. Und: „Natürliches“ Holz, auch wenn es hier nur Bambus ist, wird unseren Kunstnestchen eindeutig vorgezogen!

Allerdings gilt das wohl nicht für alle Arten. Ein Völkchen von Temnothorax unifasciatus hatte ich vor Jahren mitsamt ihrem Objektträgernest in eine Trockenmauer im Garten geschoben. Ich konnte
es immer wieder mal herausziehen: Obwohl die Ameisen leicht eine natürlichere Nistgelegenheit in der Mauer hätten beziehen können, blieben sie über ein Jahr in ihrem Kunstnestchen!
Hier der Bericht.

Weitere Informationen zu Orientierung und Nistplatzwahl bei Temnothorax spp.:

Maschwitz, U., Lenz, S., Buschinger, A. (1986): Individual specific trails in the ant Leptothorax affinis (Formicidae: Myrmicinae). Experientia 42, 1173-1174.
Leptothorax affinis lays chemical trails during nest emigration. Workers which carried colony members during nest movement refused trails of nest mates and searched for their own trails.
The origin of the individual specific trail substance could not be localized.
Temnothorax affinis legt chemische Spuren während eines Nestumzuges. Arbeiterinnen, die Nestgenossinnen trugen, vermieden die Spuren anderer Arbeiterinnen und suchten nach ihrer
eigenen Spur. Jede Arbeiterin legt also sozusagen einen eigenen Ariadnefaden im unbekannten Terrain.

Auch bei Temnothorax albipennis wurden in 2000 individual-spezifische Spuren nachgewiesen, in einer interessanten Arbeit, in der gezeigt wurde, wie diese Ameisen die Größe und Eignung einer
Nistgelegenheit evaluieren: Eamonn B. Mallon and Nigel R. Franks (2000): Ants estimate area using Buffon’s needle. - Proc. R. Soc. Lond.B 267, 765-770.
https://www.le.ac.uk/bl/ebm3/Mallon%20& ... 202000.pdf

Für Halter von Temnothorax- bzw. auch Leptothorax-Arten könnte so etwas eine Anregung zu eigenen Beobachtungen sein. Aufgrund der geringen Größe der Völkchen und ihres begrenzten
Raumbedarfs sind solche Experimente sozusagen auf dem Schreibtisch möglich! :)

MfG,
Merkur
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Boro » Freitag 15. März 2019, 13:36

Heute zum 2. Mal ein paar Camponotus piceus außerhalb des Nesteinganges gesehen:
Steingarten bei mir daheim (Klagenfurt/Kärnten). Bewölkt, 14°C. Das ist eine recht thermophile Art, ab 15°C beginnt sie dann zu furagieren!
L.G:Boro
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Re: Freilandbeobachtungen: Ameisen-(Vor-)Frühlingserwachen 2

Beitragvon Sir Joe » Freitag 22. März 2019, 23:48

Bei dem heutigen T-Shirt Wetter (bis 21°C bei uns), wurde dann auch Lasius fuliginosus wieder richtig wach und bildete deutliche Straßen.

20190322_155023_.jpg

Schöne Grüße,
Sir Joe
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