Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

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Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Reber » Mittwoch 4. März 2020, 17:40

Dolichoderus quadripunctatus, die Vierpunktameise. Der deutsche Trivialname wird vom Aussehen der kleinen Drüsenameise abgeleitet. Auf der Gaster der schwarz-roten/braunen Tiere, sind von blossem Auge vier weisse bis gelbliche Punkten zu sehen.

Unser Boro hat hier einen Faden mit vielen Beobachtungen und Fotos über die Art eröffnet.

Über die schön gefärbte Ameise gibt es allerdings relativ wenig geteilte Haltungserfahrungen. Das liegt sicherlich daran, dass die Art in Deutschland teilweise stark gefährdet ist. Vor diesem Hintergrund ist es absolut vernünftig, in Breiten mit geringem oder gar gefährdet Bestand gänzlich auf die Entnahme von Königinnen und Kolonien aus der Natur zu verzichten!
Im Berner Mittelland und besonders auch in der Stadt ist die Art allerdings sehr häufig und teilweise in ganzen Strassenzügen beidseitig auf jedem einzelnen Allebaum zu finden. Dieses gehäufte Auftreten liegt meinen Erachtens am geeigneten Habitat: grosse, alten Baumbeständen in Alleen und Obstbaum-Hosteten bzw. Streuobstwiesen etc. Vor Jahren hatte ich die Ameise selbst für sehr selten gehalten, doch wer sucht, der findet. Inzwischen begegnet mir die Art regelmässig in grosser Zahl. Beim Anbringen von Vogelnistkästen auf einem Nussbaum habe ich am 7. Januar 2020 unabsichtlich einen Zweig mit einer Kolonie abgebrochen. Die Tiere habe ich damals zufällig entdeckt und dann willentlich mit nach Hause genommen. Hier soll in der Folge kein regelmässiger Haltungsbericht entstehen, ich will nur hin und wieder über Beobachtungen aus der Haltung berichten.

Die ausgesprochen arboricole Art legt ihre Nester fast nur in trockenen und holen Ästchen und teilweise unter der Borke und sogar in Stämmen von Laubbäumen an. Dolichoderus quadripunctatus, ist monogyn und schwärmt von Juli bis September. Als Nahrung dienen Nektar und Honigtau wird aufgeleckt, auch tote Insekten und Vogelkot werden verwertet.

Bei mir bewohnt die kleine Kolonie ein mini-Gipsnest mit zwei Kammern und einer 2 mm Eingangsbohrung.
Die Arbeiterinnen sind tagaktiv und verlassen das Nest scheinbar nur gemeinsam bzw. zeitgleich und in grösseren Gruppen. Selten bis nie bekomme ich eine vereinzelte Arbeiterin zu Gesicht, wie das z.B. bei jungen Camponotus ligniperda Völklein die Regel ist, weil nur einzelne „Aussendienstmitarbeiterinnen“ das Nest verlassen.

Dolichoderus quadripunctatus.JPG
Eier mitte Januar


Die Art schein für die Brutaufzucht hauptsächlich auf äussere Faktoren zu achten, nach kaum zwei Wochen bei Zimmertemperatur konnte ich bereits ende Januar grössere Eipakete entdecken. ca. 40 Tage später bei Zimmertemperatur gibt es bereits Nacktpuppen.

Dolichoderus quadripunctatus März.JPG
Puppen im März
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Re: Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Reber » Sonntag 22. März 2020, 13:43

Aus den Puppen sind erste Männchen geschlüpft.
Dolichoderus Männchen.JPG
Das scheint mir doch etwas früh, denn die Art schwärmt eigentlich erst ab Juli.
Stammen die Eier von einer Arbeiterin? Obwohl, eine dealate Gyne ist im Volklein enthalten, aber ist sie begattet?
Ich konnte zwar deutliche Grössenunterschiede bei den Puppen feststellen. Mir scheint es auch neue (kleinere) Arbeiterinnen zu geben, aber ich bin icht ganz sicher. Die Puppen färben sich schon vor dem Schlüpfen deutlich aus.
Dolichoderus Puppe ausgefärbt.JPG
Richtet sich die Art so stark nach äusseren Faktoren und passt ihren Jahresrhythmus den Temperaturen und dem Futterangebot an? Nachttemperaturn von 18 °C Grad und massig Futter könnten schon "Sommer" signalisieren...
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Re: Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Boro » Sonntag 22. März 2020, 18:57

Hallo Reber!
Dolichoderus quadripunctatus habe ich noch nie gehalten. Ich befasse mich aber mit dieser Art seit vielen Jahren, sie ist bei uns die zweithäufigste Ameisenart im Garten nach L. niger. 2019 haben der Sohn und ich eine Arbeit veröffentlicht, die aber noch nicht im www zu finden ist. Die Biologie der Art ist sehr komplex und es ist auch uns nicht gelungen, die möglichen Vermehrungsstrategien der Art eindeutig festzulegen, z. B. sind Möglichkeiten der Nestgründung bis heute nicht ganz klar. Vielleicht kannst du da Pionierarbeit leisten! Wenn du willst, kann ich dir die Rohfassung zukommen lassen bzw. im Forum veröffentlichen!
Nebenbei ist die Art bei mir im Insektenhotel seit einem Monat bei entsprechenden Temperaturen aktiv, das "Hotel" ist gut besonnt!
L.G.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Merkur » Montag 23. März 2020, 10:44

Man soll auch mal über den Gartenzaun schauen: Im AF postet ein "Doli" über sein Kleinvolk mit 3 Gynen, im Freiland gefunden und gehalten seit 3. Okt. 2019.
Pleometrose? Polygynie? Nicht abgeschwärmte Jungweibchen? - Ich werde den Thread verfolgen.

Zum Beitrag von Boro: Es wird wieder mal deutlich, welche Unterschiede im Verbreitungsgebiet ein- und derselben Art zu erwarten sind, wie wichtig es daher ist, bei Bestimmungswünschen den Ort anzugeben:
Bei Boro (22.03.2020) in Kärnten ist die Art aktiv seit einem Monat.
Bei mir in Südhessen (Klimadaten ähnlich Darmstadt) lebt D. quadripunctatus im Walnussbaum sowie im Dachgebälk. An beiden Stellen habe ich bis heute (23.03.) nicht eine einzige Arbeiterin gesehen!
(D. quadripunctatus ist natürlich leicht zu bestimmen. Doch gibt es viele schwierige Gruppen, wo man mit einer brauchbaren Fundortangabe oft schon die eine oder andere Art ausschließen kann).

MfG,
Merkur
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Re: Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Reber » Montag 23. März 2020, 16:18

Hallo Boro
Die Arbeit von Roman und dir zu Dolichoderus quadripunctatus interessiert mich auf jeden Fall sehr! Wenn sie schon zur Veröffentlichung gedacht ist, dann gerne hier im Forum. Ansonsten freue ich mich auch über eine Privat-Nachricht.
Bei uns ist mir die Art im Freiland auch noch nicht beim Fouragieren begegnet. Aber, vielleicht war ich zur falschen Zeit am falschen Ort. Und im Moment herrschen wieder Temperaturen von unter 10°C.
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Re: Dolichoderus quadripunctatus - Haltungserfahrungen

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 24. März 2020, 14:19

Dolichoderus ist bei uns auch relativ häufig zu finden, wenn man weiß, wo man hinschauen muss.
Sogar bei uns am Haus, bzw an der Holzhütte tauchen sie regelmäßig auf, wobei ich schon sagen muss, dass es da dann schon recht warm sein muss. Da sind Lasius und Konsorten meist schon lange unterwegs oder halten sich eher schon wieder wegen zu großer Mittagshitze zurück.
Am Inn entlang, in der Nähe des NSG Unterer Inn findet man auch ein paar größere Nester in ca armdicken Totholzstücken.
Man muss aber auch sagen, dass man diese Art eher alleine furagieren sieht und sie auch nicht in Straßen umhermarschieren, wie es die Wegameisen tun.
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