Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Unterfamilie: Formicinae

Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Dienstag 21. Juni 2022, 07:48

Taxonomie
Subfamilia: Formicinae
Tribus: Formicini
Genus: Cataglyphis
Species: Cataglyphis nodus


Allgemeines
Heimat: Südost- bis Mitteleuropa, über Kleinasien bis China, Nordafrika
Habitat: steppenhafte Halbwüsten, Trockenrasen, lichte Nadelwälder
Kolonie: Monogyn
Koloniegröße: geschätzt bis etwa 5.000 Individuen
Gründung: Claustral
Arbeiterinnen: Polymorph
Nestbau: Gegrabene Nester im Boden an besonnten Stellen, oft ausgedehnte Nester mit weiten Galeriengängen.
Nahrung: Zucker- oder Honigwasser und Insekten.
Winterruhe: Je nach Herkunftsland.


Aussehen / Färbung
Königin: Hellrot-Schwarz, ca. 16mm.
Arbeiterinnen: Rot-Schwarz.
Minors: ca. 6-7 mm
Media/Majors: ca. 17mm
Männchen: ca. 12mm

(Daten übernommen aus Frank Mattheis' Haltungsbericht im AF https://ameisenforum.de/cataglyphis-nod ... 37865.html)



Intro

Ich habe diesen Bericht bereits im AF begonnen, doch mich nun entschlossen, ihn auch hier parallel zu führen, da ich die Community hier ebenfalls sehr schätze. Ich war vor ca. 10 Jahren als junger Bursche im AF sehr aktiv und vermisse dort etwas die Beiträge vieler sehr erfahrener User, die ins AP abgewandert sind. Ich freue mich über Feedback und Diskussionen jeder Art.



8. Juni 2022, Korfu (Griechenland)

Das Wetter war wechselhaft, es hatte kurz geregnet. Meine Frau und ich waren in der Nähe der Nymfes-Wasserfälle, die zu diesem Zeitpunkt kaum Wasser führten, unterwegs, um die (Ameisen)fauna auszukundschaften. Wir hatten zwei Reagenzgläser mit in den Urlaub genommen, in der Hoffnung, Gynen zu finden. Eigentlich war uns die Art gar nicht so wichtig, wir waren nur von dem Gedanken angetan, eine Kolonie mit verkürzter Winterruhe zu halten.

Nachdem meine Frau aber bereits kurz nach dem Aussteigen eine Cataglyphis-Arbeiterin entdeckt hatte, war die Hoffnung aufgekommen, diese wunderschönen und spannenden Tiere in einem Formicarium halten zu können. Und tatsächlich, nach vlt. einer Stunde aufmerksamer Bodenbetrachtung entdeckten wir eine Gyne, die uns sehr nach Cataglyphis aussah. Kurz darauf fanden wir auf einem Parkplatz unweit davon entfernt weitere Gynen dieser Art.

Hier die Bilder der Gyne:

IMG_6838.jpg

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IMG_6844.jpg

Nachdem wir nur Füllwatte zur Hand hatten, die das Wasser so gar nicht dicht hielt, präparierte ich die RGs erst in der Unterkunft. Dann sperrten wir die beiden in den Safe, einerseits da sie es dort ruhig hatten und andererseits da ich der Watte allein als Ausbruchsschutz nicht mehr vertraue, seitdem mir eine Camponotus ligniperdus-Gyne ausgebüchst ist.



9. Juni 2022

Nachdem ein User darauf hingewiesen hatte, dass die Gründung bei Cataglyphis spp. mitunter sehr heikel sein kann, haben wir uns entschlossen, die Gynen mit ein paar Puppen aus einem bestehenden Nest zu unterstützen. Wir wollten die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Gründung, so gut wir das beeinflussen konnten, erhöhen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schlecht wir uns dabei gefühlt haben, im Bau der wunderschönen Tiere herumzuwühlen, doch letztendlich fanden wir neun Puppen, von denen wir 4 der einen und fünf der anderen unterjubelten. Die Größe der Puppen verunsichert mich bis jetzt, ich hoffe, dass es sich um Arbeiterinnen handelt und nicht um Geschlechtstiere, doch nachdem Majors sogar größer werden können als Gynen, bleibt wohl nur abzuwarten.

Die eine schien die Puppen sofort zu adoptieren, die andere ließ sie zunächst links liegen. Beim Hinzufügen der Puppen ins RG wurden diese leider etwas nass, doch die Gyne schien sich durch Wenden derselben darum zu kümmern. Später am Tag schien auch die zweite Gyne ihre Adoptivkinder angenommen zu haben.



10. Juni 2022

Beide Gynen haben nun bereits Eier gelegt. Bei Nummer eins sind es 5, bei der anderen konnte ich nur eines erkennen. Ob das Pushen hierzu beigetragen hat, wird wohl immer offen bleiben. Hier noch ein Bild.

IMG-20220610-WA0005.jpg

Bin gespannt, ob die Puppen noch vor den Rückflug am Dienstag schlüpfen. Meine größte Sorge ist, wie es den Tieren im Koffer ergehen wird. Bleibt nur abzuwarten...



11. Juni 2022

gegen 8:30 morgens

Zu unserer großen Freude entdeckten wir nun auch bei der zweiten Gyne einen größeren Eierhaufen (~10 Eier). Es fiel uns auch auf, dass die erste Gyne an einem Kokon zu beißen begann. Es scheinte auch ein Fühler rauszuschauen. Das ließ uns hoffen, bei unserer Rückkehr evtl. eine erste Arbeiterin zu entdecken.

Fotos vom Morgen:

IMG-20220612-WA0001.jpg

IMG-20220612-WA0003.jpg

IMG-20220612-WA0005.jpg

Man kann die Bissstelle in der Puppe erahnen (erstes Bild, oberes RG, unterste Puppe) und erkennen, dass nun beide Gynen Eierpakete hatten.


gegen 22:45 abends

Leider mussten wir feststellen, dass die Puppe noch nicht geschlüpft war. Ob das daran liegen könnte, dass der Zimmerservice den darübergestülpten Kochtopf entfernt hatte und somit den ganzen Tag Licht ins Nest fiel? Ich weiß es nicht. Ob das bedeutet, dass die Puppe verloren ist? Ich weiß es ebensowenig. Ich bin neugierig auf Rückmeldungen.

Bilder vom Abend:

IMG_20220611_224205.jpg

IMG_20220611_224211.jpg




12. Juni 2022

gegen 9:15 morgens

Leider scheint bei Gyne 2 eine Puppe verstorben zu sein. Der Kokon war offen, die nackte Puppe lag neben der Watte. Ist es ihnen eventuell nicht warm genug? Temperatur ist aktuell knapp über 21°C, Zimmertemperatur im unklimatisierten Apartment halt.

IMG_20220611_224211.jpg

Bei genauerem Hinsehen sieht man in der Mitte des RG auch etwas, was ebenfalls wie der Teil einer Nacktpuppe aussieht. Ob das nun zu einer anderen Puppe gehört oder zur selben, kann ich nicht beurteilen.



14. Juni 2022

Es hat sich nicht besonders viel getan. Keine Puppe ist bisher geschlüpft. Allerdings ist der Rückflug überstanden und es sind nach wie vor Eierpakete vorhanden. Mir scheint sogar, dass seit dem letzten Update noch ein paar Eier dazugekommen sind. Morgen müssen wir sie noch ein letztes Mal mit einer längeren Autofahrt stressen, dann können wir ihnen mehr Ruhe gönnen.

Der Flug könnte jedoch meiner Ansicht nach den Puppen geschadet haben, da sie beim seitlichen Kippen des Koffers immer wieder auf die nasse Watte gefallen sind, was sich leider nicht vermeiden ließ. Aber wie ein User schon angemerkt hat, sind die selbst gelegten Eier wohl die größten Hoffnungsträger.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Dienstag 21. Juni 2022, 07:53

15./16. Juni 2022

Die Ameisen sind nun gut in ihrem neuen Zuhause im wunderschönen Kärnten angekommen. Eier sind noch da, allerdings sind einige in den Fäden der Watte am Eingang hängengeblieben. Ob die Königin sie absichtlich dorthin gebracht hat oder ob sie es nicht schafft, sie zu befreien, kann ich nicht genau beurteilen. Auf jeden Fall befinden sich genügend Eier so im RG, dass die Gynen sich um sie kümmern können. Morgen ist Feiertag, doch am Freitag werde ich versuchen, eine Heizmatte zu besorgen, um das Nest etwas "kamoter" (kärntnerisch für gemütlich) zu gestalten.

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18. Juni 2022

Die Idee mit der Heizmatte wurde verworfen. Stattdessen haben wir eine Heizlampe gekauft, die allerdings auch noch nicht im Einsatz ist, da das ebenso neu erworbene Thermometer so um die 25°C anzeigt. Die Neuanschaffungen können durchaus als Optimismus gedeutet werden, dass die Gründung gelingt, da nach wie vor eine Menge Brut vorhanden ist.

Heute ist auch eine Puppe geschlüpft, leider ein Männchen. Offensichtlich hatten wir kein glückliches Händchen beim Ausgraben der Brut... Naja, die Tatsache, dass es zumindest ein wenig zappelt und nicht ganz tot ist, lässt mich hoffen, dass die Parameter für die eigene Brut der Königin passen könnten. Also für die Puppen später. Dass es dem Männchen schlecht geht, führe ich einfach mal darauf zurück, dass die Puppen beim Transport leider immer wieder nass wurden. Ich bin mir auch nicht sicher, inwieweit sich eine gründende Königin um das Wohlbefinden von Männchen kümmert. Sie hat zumindest mal ihr Eierpaket darauf platziert, falls schon kleine Larven vorhanden sind, könnte es dann sein, dass diese sich am Männchen gütlich tun?

IMG_20220618_122031.jpg




20. Juni 2022

So etwas Blödes, wieder ein Männchen geschlüpft. Wir haben wohl ein Talent, haploide Tiere zu fangen... Ich warte die Nacht ab, wenn das Männchen morgen noch lebt, werde ich es wohl mit einer Pinzette entfernen. Außer jemand erhebt Einspruch, weil das eine dumme Idee ist. Mein Gedanke ist, dass die Dame ihre Energie nicht für ein Individuum verschwenden soll, das sie in der Gründungsphase nicht weiterbringt.

Nachtrag: Okay, es könnte sich von selbst erledigen. Mir sieht das Verhalten im Video stark nach Aggression aus, interpretiere ich richtig? Liegt das daran, dass es ein Männchen ist, oder daran, dass es sich um koloniefremden Nachwuchs handelt? Vielleicht hat jemand eine begründete Meinung dazu.

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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Dienstag 21. Juni 2022, 09:16

21. Juni 2022

Die Königin hat das Männchen wirklich getötet. Nachdem die Vermutung naheliegt, dass auch die anderen Puppen Männchen hervorbringen werden, wurde mir empfohlen, diese zu entfernen. Allerdings habe ich festgestellt, dass das erste Männchen, das gestorben war, offensichtlich verwertet wurde, da dessen Gaster ausgehöhlt ist. Auch wenn Cataglyphis spp. claustral gründen, kann es sein, dass ihr diese zusätzliche Energie in Form von Proteinen eine Hilfe ist? Wenn die Antwort ein klares Nein ist, bin ich gerne bereit, die Puppen zu entsorgen, doch ich will nicht unnötig stören, wenn es unter Unständen gar nicht notwendig ist.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Samstag 25. Juni 2022, 18:08

25. Juni 2022

In der Zwischenzeit sind wieder zwei oder drei Männchen aus den Puppen geschlüpft, die ich mittels Federstahlpinzette abgesammelt habe. Abgebrüht wurden sie meinen Manica rubida-Gynen zum Fraß vorgeworfen, angenommen wurden sie von diesen jedoch scheinbar nicht.

Heute glaube ich bei einer der beiden Gynen bereits Larven erkannt zu haben, es scheint sich also tatsächlich alles in eine positive Richtung zu bewegen (trotz recht häufigen Nachsehens, wie die häufigen Updates schon nahelegen). Bis Montag sind wir dann mal unterwegs und daher auch nicht in der Versuchung zu stören...
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Freitag 1. Juli 2022, 15:33

1. Juli 2022

Beide Gynen haben nun Larven, die munter ihre langen Hälse recken. Hier zwei Bilder:

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Ob sich die Larven hier an den Resten eines Männchens gütlich tun? Es sieht wohl stark danach aus...
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Montag 11. Juli 2022, 15:10

11. Juli 2022

Es sind nun schon 16 Tage vergangen, seitdem ich die ersten Larven entdeckt habe. Puppen sind noch keine zu erkennen. In einem Haltungsbericht habe ich von knapp 10 Tagen von der Larve zur Puppe gelesen, muss ich mir Sorgen machen? Die Angaben waren für eine etablierte Kolonie. Kann es sein, dass die Gynen, nachdem sie die Männchen zu Futter verarbeitet haben, nun auf weiteres Zufüttern angewiesen sind? Mir fällt auch auf, dass die Larven nicht mehr als Paket, sondern über das ganze RG verteilt gelagert werden.

Die Temperaturen im Raum betragen zwischen 21 und 29°C, tagsüber eigentlich nie unter 23-24°C.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Montag 11. Juli 2022, 22:16

11. Juli 2022 (Teil 2)

Ich habe mich entschlossen zuzufüttern. Später wurde ich darin von einem User auch bestärkt. Zuerst habe ich es mit einer der beiden Gynen versucht: Sie wurde in eine kleine Tupperbox gesetzt, damit ich nicht direkt im Nest füttern muss. Eine Fliege sowie Zuckerwasser wurden vor dem RG angeboten. Die Fliege wurde sofort angenommen, wobei ich schnell festgestellt habe, dass diese Art wirklich größte Probleme hat, auf glatten Oberflächen zu laufen. Sie hatte große Mühe, die Fliege auf dem Plastikboden und im RG zu bewegen. Daher habe ich den Boden mit etwas Küchenrolle ausgelegt, um ihr den nötigen Grip zu bieten.

Die schnelle Annahme von Futter hat mich bewogen, der zweiten Gyne dasselbe Angebot zu machen. Sie landete in einem Faunarium, das in weiterer Folge wohl auch als erste Arena geeignet sein wird. Bei ihr war ich schon auf die Probleme bzgl. Rutschen vorbereitet, weshalb das RG auf dem Deckel eines Eierkartons platziert wurde. Da ich keine frische Fliege zur Hand hatte, musste eine aufgetaut werden. Diese wurde zuerst verschmäht, später jedoch offensichtlich angenommen. Zuckerwasser wurde von ihr auch schon angerührt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sie es wegen der Kohlenhydrate brauchte oder wegen des Wassergehalts, da die Watte in ihrem RG bereits sehr schwarz ist. Ob sie daraus noch Wasser beziehen will, weiß ich nicht.

Die RGs haben beide einen überdurchschnittlich großen Durchmesser, weshalb ich befürchtet hatte, dass sie sich im Nest nicht mehr wohlfühlen könnten, jetzt wo es geöffnet war. Daher habe ich ihnen etwas zerfledderte Küchenrolle als Baumaterial angeboten, was von einer der beiden Damen gerne angenommen wurde (siehe Video).


IMG_20220711_224155-min.jpg
Bild der Minianlagen
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Samstag 16. Juli 2022, 13:02

16. Juli 2022

Wirklich claustral?

Ich hatte zu Beginn dieses Berichtes unreflektiert die Angabe übernommen, dass die Art claustral gründet. Mittlerweile bin ich mir hierbei nicht mehr sicher. Merkur hatte mich daran zweifeln lassen, als er mich nach der Quelle fragte, die die claustrale Gründung angab. Ein Recherche über Google hat mir dann gezeigt, dass es für die Art bzw. zumindest die Gattung widersprüchliche Angaben gibt, was die Koloniegründung betrifft. Andererseits scheint innerhalb der Formicinae (Schuppenameisen) semiclaustrale Gründung bisher kaum nachgewiesen zu sein (siehe auch die Endnote in dieser Publikation). Der Vorschautext zu einigen Publikationen in der Google-Suche, auf deren Volltext ich leider keinen Zugriff habe, lässt ebenfalls vermuten, dass Cataglyphis spp. bisweilen semiclaustral gründen, was jedoch als Ausnahme in dieser Unterfamilie zu werten ist. Könnte es sein, dass Cataglyphis spp. dazu in der Lage sind, unter guten Bedingungen claustral zu gründen, im Notfall aber auch das Fouragieren nicht scheuen?

Meine beiden Gynen sind immer wieder außerhalb des Nestes zu sehen. Meistens scheint es, dass sie nur dabei sind, den Eingang besser zu verschließen, doch manchmal ist nicht ganz ersichtlich, weshalb sie das Nest verlassen. Dann wird wieder Zuckerwasser angenommen. Würde das z.B. eine Lasius niger-Gyne auch tun? Ich weiß es nicht, doch ich sehe Gründe, die oft angegebene claustrale Gründung infrage zu stellen, zumindest, wenn sie dogmatisch ist. Gibt es bekannte Mischformen zwischen claustraler und semiclaustraler Gründung?

IMG_20220716_132754.jpg
Eine meiner beiden Gynen in der provisorischen Arena, die sich minutenlang an einem mit Zuckerwasser getränkten Wattebausch aufhält.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Geltungen » Samstag 16. Juli 2022, 13:37

Guten Tag - Danke für den Beitrag,
sollte ich einen Diskussionsthread überlesen haben - bitte Beitrag verschieben. Vielen Dank.

Je länger (->) sich eine Gründung hinaus zieht, desto wahrscheinlicher (->) wird diese eingehen und natürlich nicht gründen.
Wenn die Königinnen nicht unter Kältetechnik - aus bspw.
wissenschaftlichen Gründen/zB für Untersuchungen/ gelagert werden. Ist zumindest mein Erfahrungswert.



Cataglyphis - ich spreche nicht für alle Arten - gründet nicht claustral.
IdR werden von Sammlern Puppen oder gar Arbeiterinnen hinzugegeben.
Die freuen sich sogar noch wie blöd, wenn sie eine gefunden haben - und denken gar nicht drüber nach.


Ein Großteil ist meistens nicht einmal fertil.

In DE werden von größeren Kolonien 1-2 Puppen hinzugegeben. Problem:
Auch größere Kolonien sind Mangelware. Es stagniert generell unter der eigenen Unfähigkeit der Ameisenhalter
und Pseudoinformationen - nur weil ein kleiner Teil nicht zugeben möchte, wie schlecht es ist.

Achtung, unschönes Foto:

Screenshot_20220716-143109_WhatsApp.jpg



Ich selber werde nun ebenfalls diese C. cf. nodus Königinnen zur Gründung bewegen - ohne das ich pushe.

Semiclaustrale Gründung mit minimaler Arena - nicht zu groß, wie häufig aus zu guten Gründen gemeint.
Weniger ist mehr. Die Fütterung effektiver - das Gründungsnest schneller erreichbar.

Die RG's / die Haltung muss mindestens 28 Grad betragen. Ansonsten vergammeln die herangezogenen Puppen
und werden nicht entpuppt. Nachts darf es 20 Grad sein.

Deutsche Temperaturen im Wohnzimmer lassen sogar die heimische Raptiformica und Camponotus eingehen,
wie soll es dann bei Cataglyphyis aussehen?

Feuchtwarme Bruttemperaturen sind eine Mindestanforderungen - ob die Pappe und die Arena dafür optimal ist, bezweifel ich.
Hier sollte - zugunsten der Ameisen - optimiert werden.
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Verfehlte Politik: https://youtu.be/sOWykPyA1XQ
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Samstag 16. Juli 2022, 14:00

Die RG's / die Haltung muss mindestens 28 Grad betragen. Ansonsten vergammeln die herangezogenen Puppen
und werden nicht entpuppt. Nachts darf es 20 Grad sein.


Ist 28°C wirklich eine Mindestanforderung? Ich habe hier eine Heizlampe, doch da sich die Temperaturen immer zwischen 22-29°C bewegen, sah ich bisher keine Veranlassung, sie zu verwenden.

Deutsche Temperaturen im Wohnzimmer lassen sogar die heimische Raptiformica und Camponotus eingehen,
wie soll es dann bei Cataglyphyis aussehen?


Ich komme aus Südösterreich, ich denke, es ist bei uns schon deutlich wärmer. Die Gynen sind aus Korfu, ihr Verbreitungsgebiet würde sicher auch heißere Gegenden umfassen. Ich sträube mich nicht dagegen, die Heizlampe anzuwerfen, die Frage ist nur, ob es wirklich nötig ist. Woher kommt die Angabe mit 28°C? Antstore (ja, ich weiß, nicht die beste Quelle), gibt für den Nestbereich deutlich geringere Temperaturen an.

Feuchtwarme Bruttemperaturen sind eine Mindestanforderungen - ob die Pappe und die Arena dafür optimal ist, bezweifel ich.
Hier sollte - zugunsten der Ameisen - optimiert werden.


Leben Cataglyphis nodus nicht in eher trockenen Habitaten? Die LF im RG ist wohl deutlich höher durch die feuchte Watte.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Geltungen » Samstag 16. Juli 2022, 15:00

Die Negativseite von Steinen, Holzwurzeln, Mooskulturen, (u.v.m.) geben permanent Schwitzwasser ab. Darunter nisten die Kolonien,
mit einem verzweigtem Nest - bis runter in tiefere Zonen.
Die Kolonien sind zwar aus der Steppe, richtig trocken leben die im Nest jedoch nie.

In Spanien / Portugal kann man es gut beobachten, wenn man in der milden Sommerhitze einen Stein umdreht.
Ist es deutlich zu heiß - zieht sich die Kolonie zurück.

Auch hier in DE ist es einfach, zB bei Serviformica gut zu beobachten.
Meist unter einem dickem Stein - hier drunter liegt Feuchtigkeit ( Negativseite vom Stein-> Schwitzwasser )
-> Kolonie zu finden.

Wasser ist eben auch hier der Quell des Lebens.

Leichtes Kondeswasser im RG, bei angenehmer Temperatur - hier mindestens 26 bis 28 Grad, nicht aber deutlich darüber,
sollte einen positiven Effekt auf die Art und Weise der Königinnen haben dürfen.

(Siehe mein Bild, nach der Watte Richtung Königin - die Gynen nippen daran und legen erste Eier).

In der Nacht werden idR die Eier gelegt - die Nachtabsenkung ist also mehr oder weniger erforderlich.


Ich würde mit Heizmatte statt Lampe arbeiten.
Spart Strom(kosten) und Risiko, die Lampen knallen doch meist zu sehr rein.

4-7w sollte hier absolut reichen.



Quelle bin ich. :) Ich mach das schon 'ne Weile.
Da muss ich die Quelle Antstore ( Copy und Past Artbeschreibungen ) hier mal wirklich denunzieren, auf das was sie sind:
Schlecht kopiert und irreführend. Die Köpfe dahinter haben die meisten Arten ja nie wirklich gehalten.

Meistens pflegen es 450€ Kräfte halbherzig und geben den Plastik-RG-Ameisen etwas zu fressen.
Der Fokus liegt im Glasbauschaukasten. Eh, Einsteigerset.


- back to Topic -

Woher genau kommt eigentlich diese Inspiration der Arena?

Wahrscheinlich bin ich wieder das größte ... - aber das wird so garantiert nichts.
Weniger ist mehr. Warum Eierkarton und anderes Getüch da rumflattert will mir wirklich nicht ganz in den Kopf gehen.
Und klar, Plastikuntergrund ist wirklich nicht zu empfehlen.. was mich zurück zur Frage führt, woher die Idee kam..
AntsCanada? Ameisen an die Macht Kika Discord?

Das sind keine Haustiere, die Ameisen. Die freuen sich nicht über mehr Dinge zum rüberkrabbeln

Das Mikroklima im geschlossenem Reagenzglas ist besser - als ein offenes RG.
Wenn es angeschlossen ist an einer Mikro-Arena, dann muss dieses auch geschlossen sein.

Ein Gipsboden mit Sandsubstrat als Oberschicht eignet sich am besten dafür.
Glas/Kunst/Plastikboden sieht eventuell auf Instagram / Youtube ganz interessant aus -
taugt aber idR nicht wirklich.

Mein Beispiel:
bodengrund.PNG
Mein Bodengrund
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Samstag 16. Juli 2022, 15:40

Hallo nochmal Geltungen,

danke für deine Inputs. Ich weiß nicht, ob du den Bericht von Anfang an durchgelesen hast, aber es scheint nicht so. Ist auch kein Problem, aber ich glaube, du würdest ihn dann besser verstehen.

Leichtes Kondeswasser im RG, bei angenehmer Temperatur - hier mindestens 26 bis 28 Grad, nicht aber deutlich darüber,
sollte einen positiven Effekt auf die Art und Weise der Königinnen haben dürfen.


Ich kenne mich nicht mehr ganz aus. Die Gynen haben im RG ja Wasser, die Raumtemperatur beträgt tagsüber meist über 26°C. Meinst du, dass es im RG deutlich kühler ist?

Ich würde mit Heizmatte statt Lampe arbeiten.
Spart Strom(kosten) und Risiko, die Lampen knallen doch meist zu sehr rein.


Ich habe eine 15W Heizlampe. Wirklich stark sollte die nicht sein. Meine Überlegung wäre jetzt, die zweite Gyne ebenfalls in eine kleine Tupperbox umzusiedeln und dann beide Boxen in eine größere zu stellen und diese mithilfe der Lampe zu beheizen. Ist das machbar?

Woher genau kommt eigentlich diese Inspiration der Arena?


Von mir, da ich eigentlich von einer claustralen Gründung ausgegangen bin und dann recht spontan eine Notlösung zur Fütterung gesucht habe.

Warum Eierkarton und anderes Getüch da rumflattert will mir wirklich nicht ganz in den Kopf gehen.
Und klar, Plastikuntergrund ist wirklich nicht zu empfehlen.. was mich zurück zur Frage führt, woher die Idee kam..


Ein paar Beiträge weiter oben habe ich geschrieben, dass die Küchenrolle bzw. der Eierkarton den Ameisen beim Laufen helfen soll. Das Ganze ist wirklich nur als Zwischenlösung gedacht, bis die ersten Arbeiterinnen da sind. Das "Getüch" ist ebenfalls eine Notlösung, es soll als Baumaterial dienen und wird als solches auch gut angenommen von den Gynen.

Wenn es angeschlossen ist an einer Mikro-Arena, dann muss dieses auch geschlossen sein.


Es ist verschlossen, und zwar durch die Arbeit der Gynen selbst. Die eine hat es mehr, die andere weniger verschlossen.

AntsCanada? Ameisen an die Macht Kika Discord?


Das ist ja nun wirklich fast eine Beleidigung... :(

Das sind keine Haustiere, die Ameisen. Die freuen sich nicht über mehr Dinge zum rüberkrabbeln


Ich bin wirklich verwundert gerade, viel minimalistischer kann man eine Arena ja nun wirklich nicht mehr einrichten, oder?


Wie gesagt, die Boxen mit Eierkarton und Co. sind nur eine Übergangslösung. Aufgrund mangelnder Erfahrung kann ich nicht beurteilen, ob diese zum Scheitern verurteilt ist, doch ich denke, dass Parameter wie LF und Temperatur entscheidender sind. Eine richtige Arena ist natürlich angedacht, sobald man von einer Kolonie sprechen kann. Wie denkst du über die Lösung mit zwei Boxen in einer größeren plus Heizlampe? Natürlich würde ich die Parameter darin mittels Hygrometer und Thermometer überprüfen.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Geltungen » Samstag 16. Juli 2022, 16:55

Viel Erfolg bei der Gründung mit Cataglyphis cf. nodus! :)



Edit:

-> eine Beheizung von Ameisen mit Wärmestrahlern halte ich, meiner Erfahrung nach, für nicht optimal.

Es gibt nur eine mir bekannte Darstellung einer Haltung von Catagylphis, die sich in einer Forschungseinrichtung befindet / oder befand.
Hier wird das Verhalten der Tiere unter optimalen Bedingungen und Tag/Nacht-Einwirkung beobachtet.

Das Becken ist aber mit Sicherheit 2.0 x 2.0 m groß und wird genaustens temperariert.

In der (Heim-)Haltung kann ich nur Heizmatten, ggf. Heizkabel empfehlen. Heizstrahler richten oft nur mehr Schaden an.
- -

-> Eine Gründung von Cataglyphis nodus / hispanicus / velox / rosenhaueri
dauert etwa 6 Wochen nach Eiablage. Manchmal 8 Wochen.

Jede Woche Verzögerung schmälert die Erfolgschance - die Königinnen liegen meist recht plötzlich einfach
regungslos im Reagenzglas. - zeigen jedoch zuvor eben Besonderheiten - im direkten Vergleich.


Meine Kritik hier konkret;
Puppen von Männchen zu geben, - Proteinspender, aber idR negativer Stress ggü der gründenden Königin.
Hätte nicht sein müssen - aber nun ist es eben so. U.U. hier eine besagte Zufuhr von Protein drosseln, muss man nun abwägen.

Eier bzw Larven ist zwar gut, wie im Vorpost angemerkt:
Der Schlupf von Arbeiterinnen ist eher die Besonderheit.



Wie im Vorpost angemerkt;
Ein 2mm starker Gipsboden wäre mMn sinnvoller, als Küchenpapier in der Arena zu verteilen.
Dieser muss auch nur glatt sein. Gebirge könnte man in einem richtigem Formika formen.
Zu Beginn lieber schlicht und regelbar.




---
Abhängig von der Box - gibt eben so viele unterschiedliche. Hohe große würden bspw wohl kaum einen Effekt haben,
wenn diese dann beheizt werden würden. Flache hingegen - da könnte 15w tatsächlich sicher was machen.

Das Klima sollte sich in einem in sich geschlossenem Raum allerdings tatsächlich verbessern.

Am Besten mal ausprobieren.

Wenn dann 28 Grad erreicht sind + die Luftfeuchte gegeben ist, dann dürfte es eigentlich(!...) noch gut gehen.

Über 10 Wochen nach Fang wird es aber häufig eng. Hoffe, dass die Königinnen noch durchhalten.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Montag 18. Juli 2022, 12:49

18. Juli 2022

Nachdem ich hier recht eindringlich darauf hingewiesen wurde, dass eine Beheizung vonnöten ist, habe ich mich entschieden, die 15W-Heizlampe anzuwerfen. Entschuldigt die sehr unprofessionelle Halterung, immerhin ist sie funktionell. Die Bücher auf den Becken dienen dazu, die Wärme nicht gleich entweichen zu lassen. Überprüfungen mittels Thermometer haben ergeben, dass sowohl im großen als auch im kleinen Becken ein Heizeffekt feststellbar ist, wobei er logischerweise im kleinen höher ist. Bspw. beträgt die Temperatur im großen Faunarium bei einer Raumtemperatur von 25,4°C 27,2°C, also +1,8°C.


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Sehr erfreulich ist die Entdeckung einer ersten Puppe bei der Gyne im kleineren Becken. Diese sieht noch etwas unförmig aus, sie dürfte gerade erst vor Kurzem ihren Kokon gesponnen haben. Ich bin somit wieder positiver gestimmt als es nach den eher niederschmetternden Prognosen in den vorangehenden Beiträgen der Fall war, auch wenn es natürlich nie eine Garantie gibt.


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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Mittwoch 27. Juli 2022, 22:06

27. Juli 2022

Ich hatte die letzten Tage recht viel um die Ohren, weshalb ich leider nicht über alle Geschehnisse berichten konnte bzw. mir auch nicht mehr ganz im Klaren über deren Chronologie bin.

Die gute Nachricht ist: Beide Gynen haben nun Puppen, sehen konnte ich bei derjenigen, die bereits im letzten Post eine Puppe hatte, 3-4 Kokonpuppen und eine Nacktpuppe, deren Überlebenschancen vermutlich eher schlecht stehen (vgl. diesen Post und folgende bzgl. Cataglyphis oasium). Die andere hat offensichtlich nur eine Puppe, vor einigen Tagen glaube ich bei dieser auch eine Nacktpuppe erkannt zu haben, die jedoch nicht mehr zu sehen ist. Selbstverständlich ist nicht auszuschließen, dass ich einen Teil der Brut nicht mehr sehen kann, da die Gynen auch Baumaterial (Küchenrollenteile) in die RGs eingetragen haben.

Nachdem ich auf die seltsame Form der ersten Puppe hingewiesen worden war, konnte als Ursache ein Mangel an Substrat nicht ausgeschlossen werden. Daher habe ich beiden Königinnen nun eine dünne Schicht Sand aus dem schönen Wörthersee (abgebacken und recht trocken) als Bodengrund zur Verfügung gestellt, der den Larven bei der Verpuppung helfen sollte. Ganz aufgegangen scheint der Plan nicht zu sein, da die Nacktpuppe bei Gyne 1 offensichtlich nach der Gabe des Sandes entstanden ist. Des Weiteren schauen auch die neuen Puppen etwas unförmig aus. Zumindest scheinen die Gynen den Sand als Baumaterial zu lieben, ich konnte auch schon die Cataglyphis-Grabtechnik beobachten, die an das Buddeln von Hunden erinnert. Küchenrollen- und Eierkartonfetzen werden allerdings nach wie vor gerne verbaut.

Ich habe die Beheizung aufgrund der aktuellen Hitzewelle eingestellt, es hatte fast durchgehend tagsüber zwischen 26 und 28°C in der Wohnung. Da es jetzt leicht abgekühlt hat, liegen die Temperaturen etwas darunter, doch ich denke, dass auch in der Natur keine konstanten Werte vorliegen. Sollte es langfristig zu kalt für meine Griechinnen werden, wird wieder mehr geheizt. Einmal hatte es in den Boxen gar 32°C, da vergessen worden war, die Heizlampe trotz höherer Raumtemperatur abzuschalten. Dass das den Ameisen grob geschadet hat, wage ich zu bezweifeln, es handelte sich um eine kurze Temperaturspitze.

Kurzum, es läuft nicht alles so schnell und problemfrei, wie ich mir das erhofft hatte, doch noch sehe ich keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben. Puppen sind da und es sind noch nicht ganz sieben Wochen seit Eiablage vergangen. Klar, es hätte schneller gehen können, aber was läuft in der Ameisenhaltung schon nach Plan?
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Dienstag 2. August 2022, 22:14

2. August 2022

Puppen sind noch immer da, heute habe ich vier bei der einen und zwei bei der anderen Gyne erkennen können. Heute habe ich die Boxen das erste Mal von unten beheizt. Die Temperaturen betrugen dabei zwischen 27-29°C. In einem der beiden RGs hat sich nun eine Menge Kondenswasser gebildet. Hier die Frage: Kommt die Gyne damit klar? Wie man am Bild erkennen kann, hat sie begonnen, die Watte mit Sand zu verbauen. Im vorderen Teil des RGs hätte sie auch einen Rückzugsort, falls es ihr hinten zu feucht werden sollte. Außerdem hat sie quasi unbegrenzt Substrat zur Verfügung, um etwaiges Wasser am Boden zu verbauen. Soll ich vielleicht morgen bei dieser Box auf Beheizung verzichten, damit das Kondenswasser sich abbauen kann? Oder gar den Eingang, den sie mühevoll zugebaut hat, etwas öffnen? Die alten Puppenhüllen der Männchen wirken sehr durchnässt, auf die Arbeiterinnenpuppen trifft das nicht zu. Ich befürchte allerdings, dass die Puppen es dennoch zu feucht haben. Hat die Königin alles im Griff?


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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Geltungen » Dienstag 2. August 2022, 22:46

Natürlich musst Du durch deine Beobachtung bestimmen, was in Form ihrer Aktivität gut oder eher schlecht ist.

Ich selber profitiere von einem feucht-warmen Brutklima sehr.
Die Aktivität ist gemäß Habitat/Heimatstandort hoch
Die Entpuppung erfolgt ebenfalls - häufig werden bei Niedertemperatur und Trockenheit
(so auch zB bei Camponotus cruentatus, etc. pp) einfach nicht entpuppt und gehen ein / vertrocknen.

Von unten birgt allerdings ein Risiko - Du musst es schon regelmäßig beobachten können.
Nur so kann eine Wohlfühltemperatur festgestellt werden.

Nachts ist es ~4-8 Grad kühler im Raum, als am Tage - das sollte man generell noch beachtet.

Also relativ aufwendig.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Dienstag 2. August 2022, 22:55

Von unten birgt allerdings ein Risiko - Du musst es schon regelmäßig beobachten können.


Mit "von unten" meine ich, dass die Wärmelampe eine Metallplatte erwärmt, die dann die Boxen beheizt. Wie eine Heizmatte im Grunde. In der Praxis sieht das bei mir so aus:


IMG_20220802_235339-min.jpg


Das Thermometer liegt in einer der Boxen am Boden, ich sollte also recht genaue Werte bekommen.
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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Donnerstag 11. August 2022, 17:40

11. August 2022

Es hat lange gedauert. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, was vermutlich auch auf einige Leser hier zutrifft. Immerhin sind seit der Eiablage 2 ganze Monate vergangen und die erste Puppe hatte ich auch schon am 18. Juli entdeckt. Doch heute war es so weit. Die ersten beiden Arbeiterinnen sind geschlüpft. Sie sind noch sehr hell, ihre Farbe ist recht glanzlos, doch ganz egal. Eine meiner beiden Gynen hat ihre ersten beiden Unterstützerinnen. Und das ist, was zählt. Zwei weitere Puppen sollten die nächsten Tage schlüpfen. Ich vermute, dass die Temperaturen immer zu niedrig waren und die Entwicklung stark verzögert haben. An dieser Stelle muss ich mich bei Geltungen bedanken, der mir die Wichtigkeit einer Heizung vor Augen geführt hat. Und bei Erne, einem Nutzer aus dem AF, der mich darauf hingewiesen hat, dass man ruhig auch nachts heizen kann. Genug der Worte, hier ein Bild:


IMG_20220811_182018.jpg
Gut getarnt. Die Lasius-Gyne wurde nicht adoptiert, sie ist Futter.


Ob die zweite Gyne es schafft, bleibt offen. Sie hat nur zwei Puppen, die auch deutlich dunkler sind. Mal sehen, freuen würde es mich natürlich.

Jetzt hoffe ich, dass Gyne 1 Eier legt, damit die nächste Brut aufgezogen werden kann.

Ach ja, eine Beobachtung hätte ich euch fast unterschlagen: Kaum hatte die Königin ihre erste Arbeiterin, hat sie auch die Puppen ausgelagert. Als sie sich beobachtet fühlte, wurden sie unverzüglich wieder eingetragen.

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Re: Cataglyphis cf. nodus - Ein Gründungsversuch

Beitragvon Intro » Freitag 12. August 2022, 13:41

12. August 2022

Wieder erfreuliche News: Gyne 2 hat soeben auch eine Arbeiterin aus ihrem Kokon befreit. Somit haben es beide Gynen vorerst geschafft. Jetzt bleibt abzuwarten, wann die nächste Brut aufgezogen wird.
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