Raubzüge der Amazonen

Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Boro » Mittwoch 1. August 2018, 14:06

Bestimmung der Mittelwerte, Hochrechnungen und die Realtität
I) In diesem Jahr bin ich am Nachmittag etwas früher unterwegs und dabei ist mir aufgefallen, dass die Raubzüge der Amazonen (Polyergus rufescens) teilweise früher beginnen, als in der Literatur angegeben. Bei Seifert 331 ist zu lesen: "...der eigentliche Raubzug mit Massenrekrutierung beginnt zwischen 15:45 und 18:00..." In den letzten 2 Tagen habe ich bei 2 Nestern in völlig unterschiedlichen Habitaten frühere Beginnzeiten festgestellt:
Nest A: 15:10 auf Halbtrockenrasen, Südexposition in 740 m Höhe bei besten Bedingungen (heiter, 27°C)
Nest B: 15:22 im Schneeheide-Rotföhrenwald, ca. 490 m bei besten Bedingungen (heiter, 29°C)
Daraus schließe ich, dass eine Formulierung des obigen Zitates etwas flexibler formuliert werden sollte, etwa so: "der Raubzug mit Massenrekrutierung beginnt im Zeitrahmen ab 15:00 bis etwa 18:00. (Alle Zeitangaben entsprechen der Normalzeit)

2. Gestern waren wir im Team mit einem Profi-Filmer unterwegs, der einen Raubzug filmen wollte. Ich habe ein Gebiet ausgewählt, wo 2 "verlässliche" Nester in geringer Distanz zu einander liegen (ca. 200 m Entf.), sodass eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit gegeben erscheint. Zeit: ab 16:00 (also Normalzeit 15.00). Tatsächlich begannen hier die Raubzüge erst gegen 16:00 (Normalzeit) und das Experiment wurde zum Fiasko: 2 hintereinander geführte Raubzüge eines Nestes endeten nach vielleicht 15/20 m im Nirgendwo: Ohne jede Störung unsererseits endeten die Züge ohne Auffindung eines Zielnestes und wurden daraufhin abgebrochen. Die 2. Nestpopulation startete einen rasanten Marsch durch einen heuer sehr dichten Halbtrockenrasen (wegen reichlicher Niederschläge im Mai/Juni) etwa 50 m weit und ist dann ebenfalls ohne ein Zielnest zu finden umgekehrt. So einen "konzentrierten" Vorgang habe ich in 20 Jahren Beobachtungszeit bisher nicht erlebt. Warum ich das hier überhaupt schreibe?
Bei Seifert 331 lese ich: "Große Poyergus-Kolonien erbeuten an 33 Rauzügen bis 40.000 Sklaven pro Sommer". Ich weiß nicht, welche Angaben hier als Quellen dienten, aber ich halte die Zahl für unrealistisch, weil:
1. auf einen Raubzug im Durchschnitt über 1200 erbeutete Puppen kämen
2. Fehlläufe wie oben geschildert bei allen Raubzügen immer wieder einmal vorkommen, wenn auch nicht in jener Dichte, wie bei dem geschilderten Fall
3. relativ häufig auch junge Nester geplündert werden, die über nicht so viel Brut im Puppenstadium verfügen
4. immer wieder Nester heimgesucht werden, die vor Tagen oder 1, 2 Wochen schon einmal geplündert wurden und kaum Puppen aufweisen
5. auch bei durchaus erfolgreichen Plünderungen nicht immer alle Amazonen mit Beute beladen heimkehren
Mit anderen Worten: Bei der oben erwähnten horrenden Zahl von 40.000 wurden sämtliche Risikofaktoren, Fehlschläge und "Überraschungen" (wie z. B. ein irrtümlicher Angriff auf ein Formica-Nest) außer Acht gelassen.
L.G.
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Merkur » Mittwoch 1. August 2018, 16:08

Hallo Boro,

Im Literaturverzeichnis gibt Seifert u. a. Stitz (1939) an. Auf S. 374 zitiert dieser Forel mit u.a. folgenden Zahlen für eine Polyergus-Kolonie:

In 33 Tagen 41 Raubzüge, davon 19 auf Formica fusca, 19 auf F. rufibarbis, bei 3 nur Rückkehr beobachtet.
Von den überfallenen Nestern gehörten 8 F. rufibarbis: 5 mal geplündert; 7 F. fusca, 6 mal geplündert.
Anzahl der Polyergus: meist 1.000.
Daraus berechnete Anzahl der geraubten Puppen von:
F. fusca 14.000, F. rufibarbis 13.000, wahrscheinlich von fusca: 2.000
usw.
Wo Forel das beobachtet hat, müsste man bei diesem nachlesen; wahrscheinlich in der Schweiz.
Seifert hatte für das Buch (2007) sehr mit Platzmangel zu kämpfen; so konnte er nicht zu jeder Angabe die exakte Literaturstelle im Text einfügen.
Auch die vielen zunächst schwer verständlichen Angaben zu Schwarmzeiten (etwa "A7 - M8") mussten so verkürzt eingebracht werden.
Regionale Populations-Unterschiede sowie unterschiedliche Häufigkeiten der Sklavenarten kommen hinzu.
Schließlich sind es Schätzungen. Durchschnittswerte sind sehr oft irreführend, aber die jeweiligen Standardabweichungen hätten wieder viel Platz gekostet.

Auch Wasmann (laut Stitz) gibt ähnliche Werte wie Forel an.

MfG,
Merkur
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Boro » Freitag 3. August 2018, 21:10

Bestimmung der Mittelwerte, Hochrechnungen und die Realtität

Nun, ich weiß schon, dass meine unter dem gleichen Titel oben geschilderten Vorkommnisse eher zu den Ausnahmen gehören und somit aus einer Mittelwertsberechnung quasi "herausfallen" würden. Das sollte auch keinesfalls eine Attacke auf den von mir sehr geschätzten Autor des Ameisenbuches sein. Meine Feststellungen basieren nur auf Erkenntnissen, der 20jährige Beobachtungen speziell dieser Art zugrunde liegen.
Gestern und heute hatten wir wieder erstaunliche Ergebnisse erzielt, wir haben mit dem Filmteam einen Ortswechsel vollzogen und sind in den Schneeheide-Rotföhrenwald zurückgekehrt:
02.08., 16:15 (Normalzeit also 15:15), bewölkt bei 27°C: 15:30 (!) NZ Beginn, nach etwa 15 m endet er wieder ohne Zielnest, Umkehr. Anschließender Zug in eine anderer Richtung nach ca. 20 m wegen beginnenden Regens abgebrochen
. So sieht manchmal die Realität aus.....
03.08., 15:40 (Normalzeit 14:40) heiter 31°C, alles ruhig, das gleiche Nest wie gestern. Plötzlich völlig überraschend um 16:00 (also 15:00 Normalzeit) Rückkehr der Armee ohne jede Beute, also wieder erfolglos! Das bedeutet aber, dass der Zug deutlich vor 14:40 Normalzeit begonnen haben muss, was aus allen zeitlichen Rahmen fällt, auch aus meinem! Überraschung einerseits wegen der Zeit und Enttäuschung wegen der Erfolglosigkeit, weil ich wieder nicht das Gewünschte bieten konnte. Zum Glück kam es dann später doch zu 2 gleichzeitig zu verschiedenen Zielnestern gerichteten Raubzügen, auch ein eher seltener Vorgang. Das Projekt konnte doch noch gerettet werden!
Zum Abschluss noch etwas sehr Positives: Im selben Habitat gut 400 m entfernt, stolperte ich buchstäblich über einen erfolgreichen Raubzug eines neu entdeckten Nestes mit der seltenen Kombination Polyergus x Formica fuscocinerea
L.G.
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Boro » Donnerstag 1. November 2018, 16:22

Rückblick auf die aktive Phase bei Polyergus rufescens im Jahre 2018
Seit über 20 Jahren beobachte ich die Aktivitäten der Amazonenameise, aber der Sommer 2018 war im Süden Österreichs (Kärnten) einer der schlechtesten überhaupt: Die hohen Niederschläge im Frühsommer (Mai-Juni) haben offenbar die Populationsentwicklung und vor allem die Produktion von Geschlechtstieren stark eingebremst. Im Mai hatten wir wegen unzähliger Mittelmeertiefs 200% des üblichen Niederschlags. Es gab in den Beobachtungsnestern wenige Gynen und relativ wenige Männchen. Anlässlich der Produktion eines Films über die Raubzüge, der zur bevorstehenden Jahresversammlung der Entomologen des Naturwiss. Vereins vorgeführt wird, ergaben sich zudem unerwartete Schwierigkeiten:
1. Die Bodenvegetation war wegen der reichlichen Frühsommer-Niederschlage in diesem Jahr besonders dicht, z. B. im Halbtrockenrasen; das hat die Filmarbeiten erschwert.
2. Wir waren vom tageszeitlich ungewöhnlich frühen Beginn der Raubzüge überrascht (lt. Seifert: 15:45 bis 18:00, mitteleur. Normalzeit). Tatsächlich kamen wir um 15:00 Normalzeit bereits einige Male zu spät. Dieser frühe Beginn wurde immerhin an 3 voneinander weit entfernten Neststandorten festgestellt.
3. Es gab heuer eine ungewöhnlich hohe "Ausfallquote", d. h. dass durchgeführte Raubzüge irgenwo endeten und die Amazonen offensichtlich die Orientierung verloren hatten. Bisher lag die Ausfallquote durchschnittelich bei etwa 5-10%, diesmal hatten wir - wieder an mehreren Neststandorten - einen Misserfolg von etwa 25% festgestellt! Dafür fällt mir keine Begründung ein, denn unsere Filmarbeiten fanden vorwiegend im August statt und dieser Monat war heiß und trocken.
Ich habe noch ein paar Fotos eines missglückten Rauzuges aus den ersten Septembertagen, der zu einem verlassenen Serviformica-Nest führte. Vermutlich hatten die Sklavenameisen nach dem 1. Kontakt mit den Räubern rasch einen Standortwechsel vollzogen. Auf die koevolutionäre Tendenz in diesem Zusammenhang habe ich schon früher hingewiesen: viewtopic.php?f=23&t=1876&p=16576&hilit=Amazonenameise#p16576
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Marsch einer jungen Amazonentruppe mit ca. 200 Arbeiterinnen Richtung Zielnest. Die "undisziplinierte" Marschordnung war auffallend
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Das Zielnest erwies sich als leer. Die Amazonen bestiegen in Massen Sträucher (Erica carnea) und verharrten dort eine gewisse Zeit. Keine Erklärung möglich.......
DSC02908.JPG
Auf Dryas octopetala. Wollten sie sich neu orientieren? .....oder war es einfach Ausdruck der Enttäuschung?
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Boro » Sonntag 30. Juni 2019, 10:55

Gestern wurde ich wieder Zeuge eines sehr erfolgreichen Raubzuges der Amazonenameisen. In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, welche Impulse diese Art dazu antreiben, mit den Raubzügen zu beginnen. Nur zur Erinnerung: Die Amazonenameise Polyergus rufescens verbringt etwa ein 3/4 Jahr im Erdnest mit "Nichtstun". Sie putzen sich vielleicht selbständig, andere Aktivitäten kommen nicht in Frage. Plötzlich im späteren Frühjahr werden sie aktiv, schicken ihre Pfadfinder aus und bei deren positiver Rückmeldung geht es los: die Raubzugsaison ist eröffnet.
Nun habe ich im Laufe der letzten über 20 Jahre gewisse Erfahrungswerte gesammelt, die aber keine plausible Antwort auf die oben gestellte Frage zulassen. Sicher, der Witterungsverlauf spielt eine Rolle wie generell die klimatischen Verhältnisse vor Ort. Die Bodentemperatur dürfte keine entscheidende Rolle spielen.
2019 Ausgangslage: Temperaturmittel im April etwas über dem Durchschnitt, der Mai eigentlich eine Katastrophe: zu kalt, zu viel Niederschlag, zu wenig Sonnenschein, Ende Mai hat sich das Blatt gewendet; die erste Junihälfte dann im Mittel über 4,3°C zu warm, sehr trocken (4 mm N) und 189h Sonnenscheindauer (imMittel 117h). Man könnte meinen, dass damit die Entwicklungsrückstände bei der Ameisenbrut aufgeholt wären.
Ich habe insgesamt 5 Nester in verschiedener Höhenlage und Expolition in den letzten 14 Tagen kontrolliert (davon 1 Habitat mit 2 Nestern):
I. 2 Nester in 730 m bzw. 760 m Höhe, Halbtrockenrasen in Südlage: Beginn der Raubzüge am 18.06. 2018 gab es hier den Beginn am 08.06.2018, vor einigen Jahren am 29. Mai! Mittelwert etwa bei 14.06
II. 1 Nest 530 m, Halbtrockenrasen in Südlage: keine Aktivität am 20.06
III. 1 Nest 550 m, W-O verlaufender Wegrand/Waldrand, heiß und trocken: Mehrere Kontrollen, letzte am 25.06, keinerlei Aktivität. In Serviformica-Nestern reichlich Puppen vorhanden
IV. 1 Nest 500 m, Schneeheide-Rotföhrenwald, wenig Beschattung: letzte Kontrolle am 17.06, keine Aktivität.

Ich gehe davon aus, dass der witterungsmäßig sehr schlechte Mai einen Entwicklungsrückstand bei der Ameisenbrut zur Folge hatte. Auch die Aufzucht von Geschlechtstieren, vor allem v. Gynen, scheint betroffen: In vielen Nestern v. Serviformica ist reichlich Brut von Arbeiterinnen vorhanden, die sonst viewiegend nach den Geschlechtstieren aufgezogenen werden. Ich vermute, dass hochwertiges Eiweiß, das für die Aufzucht von Gynen benötigt wird, nur in geringem Maße eingetragen wurde. Der Mai 2018 war zwar nicht kalt, aber im Gegensatz zu Gebieten nördlich der Alpen total verregnet, Folge: Bei Polyergus rufescens extrem geringe Geschlechtstierproduktion, eines der schlechtesten Jahre überhaupt. Auch heuer dürfte die Ausbeute an Geschlechtstieren bei Polyergus schlecht ausfallen.

Rückkehr zur eigentlichen Frage: Welcher Impuls ist notwendig um die Amazonen zum Ausmarsch zu bewegen? Temperaturverhältnisse allein können es nicht sein (siehe Höhenlage der oben genannten Nester). Hier kann man nur Vermutungen anstellen: Vielleicht lassen sich die Amazonenameisen vom Entwicklungsstand der eigenen (Amazonen) Brut leiten? Etwa, dass der Beginn der Verpuppung eigener Brut im Nest reflexartig Auslöser für den Beginn der Raubsaison darstellt. Aber wie gesagt, das ist nur eine Vermutung.
Noch eine kurze Bemerkung: Die Amazonen von Nestern mit jungen Königinnen sind aus meiner Erfahrung subjektiv gesehen aktiver, könnten auch mit den Raubzügen früher beginnen.
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Merkur » Sonntag 30. Juni 2019, 17:21

Hallo Boro,

Dass die Anwesenheit eigener Puppen für den Start der Raubzüge eine Rolle spielt, ist eigentlich naheliegend. Ich habe ja viel mit Harpagoxenus sublaevis gearbeitet. Auch bei diesen Sklavenhaltern ist die Anwesenheit eigener Puppen ein sicheres Indiz dafür, dass sie bereit sind, Wirtsartvölker zu überfallen. Im Laborversuch gelang das auch mit Völkern, die künstlich in verkürzten und gegeneinander verschobenen Jahreszyklen gehalten wurden.
Interessant war es, wenn ein Volk von H. s. mit eigenen Puppen mit einem Leptothorax acervorum-Volk in Herbst- bzw. Winterphase (also nur mit Larven) konfrontiert wurde: Normal "scoutende" H.s. entdeckten solche Nester, rekrutierten jedoch nicht zu einem Raubzug, sondern transportierten Larven und schließlich sogar adulte Arbeiterinnen in das Harpagoxenus-Nest. - Es waren frühe Versuche (publiziert 1968), die ich dann nicht weiter verfolgt hatte. Wichtig war mir, dass Wirts- und Sklavenhalter-Völker Puppen haben mussten, und dass man dann gezielt Raubzüge auslösen konnte. Das haben wir über Jahre in einen Großpraktikum gemacht.
Buschinger, A., 1968: Untersuchungen an Harpagoxenus sublaevis Nyl.(Hymenoptera, Formicidae). III. - Kopula, Koloniegründung, Raubzüge. Ins. Soc. 15, 89-104.

Leider geht das im Polyergus-Maßstab wohl nicht.

MfG,
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Re: Raubzüge der Amazonen

Beitragvon Boro » Samstag 14. September 2019, 20:39

Jetzt dachte ich wirklich, dass mit der Aktivität der Amazonenameise für heuer Schluss sei. Heute wollte ich die letzten Spätsommertage nützen und dachte, schau einmal bei einem Nest vorbei. Am 30. August (Bericht oben) habe ich schon über das Ende der Raubsaison berichtet. Das fällt bei uns üblicherweise in die letzten August- oder ersten Septembertage. Vor vielen Jahren habe ich einmal einen Raubzug an einem 9. Sept. gesehen, wenn ich mich nicht irre.
Beim Nest angekommen (nach 17:00), merke ich eine gewisse Unruhe, herumlaufende Amazonen und Formica fusca. Nach längerem Suchen bemerke ich doch glatt einen Mini-Raubzug, der Richtung Nest steuert. Es nahmen max. geschätzte 100 Amazonen teil. Und wieder: Die militärische "Disziplin", ließ zu wünschen übrig (siehe oben). Die Ausbeute war minimal, vielleicht 10 Puppen! Und dann fällt mir etwas auf, das ich in 20 Jahren nicht gesehen habe:
1. Zahlreiche Amazonen tragen voll ausgefärbte Sklavenameisen mit sich. Das waren sicher an die 30 Arbeiterinnen. Nun, dass eine frisch geschlüpfte, unausgefärbte Sklavenameise als Beute mitgenommen wird, kommt hin und wieder vor. Aber gleich eine ganze "Kompanie" älterer Sklavenameisen als Beute? Über diese Vorgangsweise konnte ich in der Fachliteratur bisher keinen einzigen Satz finden.
2. Das war nicht alles: Plötzlich bemerke ich, dass Sklaven auch Amazonen heimwärts tragen. An sich nicht unüblich, die „Herrschaften“ lassen sich gerne von ihren „Dienstboten“ tragen. Vor allem am Beginn und Ende der Raubsaison kommt es immer wieder vor, dass Sklaven herumlaufende Amazonen kurzerhand packen und sofort ins Nest schaffen.
3. Zwischendurch trugen auch Sklavenameisen andere Sklavenameisen, wohl in das eigene Nest. Eine Begleitung der Raubzüge durch die eigenen Wirtsameisen und eine etwaige Beteiligung am Raub ist meines Wissens hierzulande unbekannt.
Alles in allem blieb nach mehr als einstündiger Beobachtung ein etwas ratloser Boro zurück. Ich habe versucht Fotos zu machen, aber ich hatte bedingt durch die Bodenvegetation nur ein „Fotofenster“ von etwa 8x10 cm, daher die schlechte Qualität.
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Amazone trägt Sklavin aus dem Wirtsnest
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Amazone trägt Sklavin
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Sklavin trägt Amazone
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Sklavin trägt Amazone
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Sklavin trägt Nestbewonerin ins Nest
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