Kommentare zu Foreninhalten

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Kommentare zu Foreninhalten

Beitragvon Merkur » Mittwoch 18. November 2020, 12:18

Es gibt gelegentlich Foreninhalte, zu denen warnende bzw. korrigierende Anmerkungen angebracht erscheinen:

1. Ausbruchsschutz mit Alkohol auftragen
AAM 17.11.2020:
Mal ne blöde Frage Wenn ich den Ausbruchsschutz erneuern muss, wie macht ihr das? Also wenn ich nen Rahmen habe mit Talkum und die Ameisen diesen nach und nach "abtragen" Also wie macht ihr das? Zweiten kaufen und austauschen?
Antwort:
xxx hab ich bei meinen BCA im laufenden Betrieb gemacht. Talkum mit Isopropanol angemischt und im laufenden Betrieb die abgelaufenen Stellen angetupft. Rieselt zwar dann an den trockenen Stellen etwas ab aber geht schon mit ein bisschen Übung ^^ Durchs Isopropanol war dann eh erstmal alles in der Arena benommen und konnte nicht mehr geradeaus laufen. Wenn es dann verdunstet und trocken war, wurden die Ameisen wieder fit und haben weiter ihre Arbeit verrichtet.

Warnung: Äthanol-Dampf kann Ameisen bereits in geringen Konzentrationen töten. Ist eine persönliche Erfahrung, wenn z. B. ein Korkstopfen für einige Zeit auf einer Sammeltube mit Ameisen in Alkohol war, wenn derselbe Stopfen über Tage (!) ausgetrocknet war und dann auf eine Tube mit frisch eingesaugten lebenden Ameisen kam, waren die Ameisen nach wenigen Stunden tot. (Wir haben natürlich daraus gelernt).
Ob dies für andere Alkohole ebenso gilt, kann ich nicht sagen. Dass die Tiere unter Isopropanol-Einwirkung „benommen“ waren, könnte dafür sprechen.

2. Kalytta, Maschwitz, Polyrhachis lama
AAM 17.11.2020
Barristan-Kalytta.jpg
Bemerkungen über Kalytta, Maschwitz u.a.

Gegendarstellung:
Wie man der im Beitrag angegebenen Veröffentlichung entnehmen kann, wurde diese in 2000 von U. Maschwitz, W.H.O. Dorow, A. Buschinger und G. Kalytta verfasst.
Prof. Maschwitz (verstorben Juli 2018) war einmal mit Ehefrau auf der von Kalytta in Java betreuten Farm zu Gast. Er war mit Kalytta befreundet und ist niemals „über ihn hergefallen“. Man sollte Verstorbene nicht auch noch posthum verleumden.
Ich selbst (A. Buschinger) war einmal in Java bei Kalytta zu Gast, mit U. Maschwitz, wobei wir die Grundlagen für jene Veröffentlichung erarbeitet haben. Der Aufenthalt wurde mit Forschungsmitteln bezahlt; meine Ehefrau war nicht dabei.
In den Ameisenhandel ist Herr Kalytta nach seiner Rückkehr aus Indonesien nach D eingestiegen, nachdem die Farm von Einheimischen zerstört worden war. Herr Sebesta war mit Herrn Kalytta nochmals auf der Farm. Im AF hatte er seinerzeit über den Aufenthalt berichtet und ein Bild des verwüsteten Farmgebäudes gepostet.

(Für nicht-Eingeweihte: Hier hatte ich über unseren Aufenthalt auf Java berichtet. Falls Interesse besteht, kann ich im AP ein paar Bilder einstellen).

MfG,
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Re: Kommentare zu Foreninhalten

Beitragvon Merkur » Mittwoch 2. Dezember 2020, 17:00

Ameisenverbrauch in der Haltung, Forschung, …

"Das ist Entomologie mit Leidenschaft!" Der Beitrag blieb nicht unkommentiert.
Im „Ameisen an die Macht“-Server äußert sich ein User kritisch dazu, wie viele Ameisen für die Forschung verbraucht werden, im Vergleich zu den wenigen, die für die Hobby-Haltung draufgehen, etwa wenn beim Ausgraben von Ameisenvölkern Arbeiterinnen nutzlos zurückbleiben.
Was zwei Forscher schon alleine an Präparaten in ihrem Leben produzieren sieht man hier: https://www.npr.org/sections/thetwo-way ... 6736602799 Mehr als eine Millionen Präparate, man kann also davon ausgehen, dass dafür noch viel mehr Insekten sterben mussten, da ja nicht jedes gesammelte Insekt auch als Präparat geeignet ist.
Soll jetzt auch kein Zeigefinger sein, aber ich finds immer goldig, wenn man sich irgendwo über die privaten Halter aufregt und dann guckt man mal an, wie viel die Forschung so verbraucht.
Ich glaub da muss man dann nicht um ein paar hundert Ameisen trauern, die evtl. dann im Boden zurückbleiben...

Vorab:
Die Entnahme von Ameisen für die private Haltung gefährdet nicht den Bestand an Ameisen im Freiland. Zumindest bisher lässt sich eine solche Gefährdung nicht erkennen, obwohl ja inzwischen gewaltige Mengen an Ameisen für Hobby-Zwecke gesammelt werden. Eine unbekannte Menge verendet bereits beim Transport, im „Lager“, oder schließlich beim Halter.
Auch wenn die Angaben über Koloniegrößen von mehreren Hunderttausend bis zu Millionen gelegentlich übertrieben sein dürften, so kann ein Halter mit vielen Kolonien über wenige Jahre bereits so viele Ameisen verbrauchen, wie das im o.g. Beitrag porträtierte Forscherpaar Insekten in 60 Jahren sorgfältig und aufwändig für die Forschung konserviert hat; Schätzwert 10 Millionen US-$!
- Die Ameisen in der Haltung werden in aller Regel „entsorgt“, ohne jeglichen Nutzen, abgesehen vom Spaß, den der Halter damit hatte, und abgesehen vom Gewinn der Verkäufer.

Forschung über Ameisen und Insekten allgemein:
Taxonomische Forschung benötigt Insekten, um sie beschreiben zu können. Ohne das hätten die Ameisenhalter nicht mal Namen für ihre Tiere, abgesehen etwa von Bezeichnungen wie „Schwarze Ameisen“, „Rote Ameisen“, „Wohlriechende Ameisen“, „Rasenameisen“ und dgl. Trivialnamen, die in jedem Land anders wären. Und Sammlungen sind notwendig, um auch später, nach Jahrzehnten und Jahrhunderten noch vergleichen zu können: „Ist die Art xyz bereits beschrieben und benannt? Oder habe ich eine wirklich neue Art vor mir? Gab es die Art „xx“ vor 200 Jahren im Gebiet? Kam sie neu hinzu? Ist sie an der Sammelstelle inzwischen ausgestorben?"

Ethologie und Physiologie: Kann man nur sehr begrenzt durch Zuschauen im Freiland erforschen. Dazu müssen Tiere aus dem Freiland ins Labor genommen werden, um sie unter definierten Bedingungen in entsprechenden Versuchsanordnungen zu beobachten. Für Biochemische und molekulargenetische Untersuchungen werden die Tiere i.d.R. getötet; Vergleichsexemplare („voucher specimens“) werden konserviert, im Idealfall in Museen. Ergebnisse werden publiziert, d.h. der Allgemeinheit dauerhaft zugänglich gemacht, anders als die in der Hobby-Haltung gemachten Beobachtungen, die allenfalls in vergänglichen Forenbeiträgen
erwähnt werden.

Ökologische Untersuchungen: Hierzu werden vielfach Fallenfänge durchgeführt, mit Bodenfallen, Netzen, Lichtfallen etc.. Es geht nicht anders, und wie in jüngerer Zeit gezeigt wurde, lässt sich der Rückgang der Insektenfauna über die Jahre bereits in der Zahl und im Gesamtgewicht der (oft unbestimmten) Fänge darstellen. Auch diese Ergebnisse werden ordnungsgemäß dokumentiert und veröffentlicht.

Angewandte Forschung: Viele Insektenarten, Parasiten bei Mensch und Tier, Überträger von Krankheiten, landwirtschaftliche Schädlinge wie Heuschrecken oder Pflanzenläuse usw. müssen bekämpft werden. Dazu müssen Experimente mit diversen Giften durchgeführt werden (möglichst mit dem Ziel selektiver Wirkung), oder mit „Nützlingen“, Pilzen, Bakterien, Viren, usw.. Vielfach geschieht das mit gezüchteten Insekten, doch z. B. für die Entwicklung von "Ameisenmitteln" greift man auf Freilandameisen zurück, da sie sich nicht züchten lassen. - Ohne diese Forschung wäre es bereits heute nicht mehr möglich, die Menschheit zu ernähren!

Massen“verbrauch“ von Insekten:
Jeglicher Einsatz von Pestiziden, ob gegen Kopf- oder Pflanzenläuse, Heuschrecken, Mücken, Schädlinge und Lästlinge in Haus und Heim, invasive Ameisenarten … hat den Tod von Myriaden Insekten, leider auch von „Nichtziel-Organismen“, zur Folge. Auch zum Nutzen von Forschungs-Kritikern!

Insekten als Nahrung: Werden in manchen Kulturen bereits lange verbraucht. Neuerdings propagiert man Insekten als Bestandteil der menschlichen Ernährung. Wie sich das entwickelt, bleibt abzuwarten.
Immerhin handelt es sich zumeist um gezüchtete Insekten. Doch die lassen sich nicht nur auf Abfällen züchten. Futter muss zum Teil auf landwirtschaftlichen Flächen erzeugt werden.

Insekten als Verkehrsopfer: Es sind nicht nur die auf der Windschutzscheibe zerplatzten; viele werden auch überfahren. Dies gilt noch mehr für die zahllosen Insekten und deren Entwicklungsstadien, die in Land- und Forstwirtschaft, bei Fällarbeiten mit dem Harvester und bei der Bodenbearbeitung mit dem Traktor, ungesehen platt gemacht werden, natürlich neben anderen Bodenbewohnern bis hin zu Amphibien, Reptilien, Kleinsäugern. Leider kaum vermeidbar.

Die Liste ließe sich wohl weiter fortsetzen, bis hin zum Verbrauch von natürlichem Lebensraum der Insekten und anderen Tiere für Siedlungen, Verkehr, Industrie, Sport usw..

Ich sehe eigentlich kein vernünftiges Argument dafür, dass auf einem Server für Ameisenhalter explicit die „Forschung“ als Verbraucher von Ameisen und anderen Insekten gebrandmarkt wird.
Das lässt doch eher auf eine eingeschränkte Weltsicht schließen. - Eine gewisse Feindseligkeit gegenüber Forschung und Forschern wurde leider bereits seit Beginn der kommerzialisierten Ameisenhaltung zur Tradition in einigen Ameisenforen, oft dann verbunden mit der Klage über mangelnde Unterstützung des Hobbys durch die Ameisenforschung. Wen wundert's?

MfG,
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Bemerkenswertes aus den Foren

Beitragvon Merkur » Sonntag 31. Januar 2021, 12:28

Gelegentlich trifft man in Ameisenforen etc. auf Einträge, die aus dem einen oder anderen Grund bemerkenswert sind, die man sich "merken" sollte, bzw. wo man Hilfestellung geben kann, ohne gleich Mitglied werden zu müssen.

Aus AAM-Discord, 31. Jan. 2021:
AmZucht--in-Shop.jpg
Ameisenzuchten in einem Shop
Evtl. eine Erklärung für manche unerklärliche Beobachtung bei der Haltung polygyner Arten.

Aus AAM-Discord, 31. Jan. 2021:
Ameisen-Parasiten.jpg
Ameisen-Parasiten
- Ob es sich bei dem Virus von „fuchurli“ um die Verursacher von Pseudogynen handelt?
https://ameisenwiki.de/index.php/Pseudo ... te_/_Viren
- Bei dem langen Wurm vonn Jakob Juren.7 dürfte es sich um einen Nematoden (Fadenwurm) handeln: https://ameisenwiki.de/index.php/Nematoden

Beitrag von Doli im AF, 31. Januar 2021, 06:39 https://ameisenforum.de/post435407.html#p435404
So ist es bei mir aber auch ...
Meine Freunde, Bekannten und die Familie wissen es ja seit 20 und mehr Jahren, da ist im Gespräch dann schon mal Neugier angesagt, wie geht’s den Ameisen und so. Oder wenn sie dann zu Besuch kommen, dann stehen sie schon mal ne Viertelstunde vor dem Terrarium und fragen mich aus, was da gerade passiert und warum ...
Krass war es in den ersten Jahren, als ich noch meine Messoren hatte und die eine Arena mit der Fläche 120*100 + Nestbereich + freien Auslauf aufs Dach hatten ... da war häufig dann (vor allem von Damenseite) die Panik, was machst Du, wenn diese riesen Ameisen (die Majore waren schon beeindruckend!) nicht durch den Schlauch, sondern durch das offene Fenster zurückkehren wollen und Dich beißen ...
Auch wenn ich im Wald häufig an gefällten Baumstämmen Holzbocklarven ernte, dann werde ich gefragt, was ich da mache, erkläre es dann und löse meistens ungläubiges Stauen aus, wie man solches Ungeziefer ins Haus holen kann ...
- Das erinnert an einen Bericht aus den Anfängen der Ameisenforen. Ob das der User war, dem eine große Kolonie Messor in Bamberg übers Dach ausgekommen ist?
https://www.ameisenschutzwarte.de/forum ... 7821#p7821
-„Im alten AF gab es sehr früh einen Bericht von "schuhandi" aus Bamberg, der einer Messor (sp.?) Kolonie über einen Schlauch freien Auslauf auf das Dach vor seinem Zimmer gewährte. Eines Tages war sie komplett weg, mit ca. 4.000 Geschlechtstieren.“
https://ameisenforum.de/formicarium-im- ... ml#p205225
> post # 7 von schuhandi. Früher hat er mal Messor sp. ebenso gehalten; ein paar Tausend samt vielen Geschlechtstieren sind dann ausgebüchst, in einer Region, wo sie normal nicht vorkommen. Mögliche Faunenverfälschung. Weiß nicht, ob der thread dazu noch existiert.

- Was da als „Holzbocklarven“ bezeichnet wird, dürften Bockkäfer-Larven sein (Cerambycidae). Die großen Bockkäfer werden leider auch immer seltener. Die sollte man besser am Leben lassen!
Edit: Zudem nutzen Camponotus ligniperda und C. herculeanus gerne die leeren Puppenwiegen von Bockkäfern als Gründungskammern. Abschälen der Borke um an die Larven und Puppen der Käfer zu gelangen schadet also auch beliebten Ameisenarten!

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Re: Kommentare zu Foreninhalten

Beitragvon Merkur » Dienstag 2. Februar 2021, 18:10

Einfrieren, abkochen oder überbrühen?

Abkochen-vs.-Überbrühen.jpg
Eine einschlägige Diskussion...
Die Kopie aus dem AAM-Discord von heute dient lediglich als Beispiel.
Immer wieder besteht Unsicherheit darüber, was man mit Lebendfutter tun soll um die Einschleppung von Milben sicher zu verhindern.

„Abkochen“ nennt man es, wenn das Kochgut im Topf auf knapp 100°C erhitzt wird (Wasser sprudelt dann), je nach Material (Kartoffeln, Fleisch u.a.) auch über längere Zeit.

Beim „Überbrühen“ gießt man heißes Wasser (muss nicht unbedingt sprudelnd heiß sein) über das Material, etwa in einem Sieb über dem Ausguß, also nur kurzfristig. Die Futtertiere sterben dabei sehr rasch.

Eiweiß gerinnt („denaturiert“) ab ca. 60° bis 70°C. Die üblichen Futtertiere, Mehlwürmer, Schaben, Fliegenlarven etc., sind so klein, dass das Überbrühen ausreicht, um alle Milben, deren Eier, oder sonstige Krankheitserreger zuverlässig abzutöten. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass z. B. bei Mehlwürmern die Verdauungsenzyme im Darm unwirksam werden. Das verhindert, dass die Würmer rasch braun und unappetitlich werden.

Manche Milben bzw. deren Eier überstehen das Einfrieren, zumindest bei den in Gefriertruhen üblichen Temperaturen. Einfrieren allein ist damit nicht 100% sicher.

Arbeitssparend ist es, die Futtertiere in größerer Menge zu überbrühen, dann auf Küchenpapier kurz ausbreiten, so dass das überschüssige Wasser abgesaugt wird.
Anschließend kann man sie in einem dichten Behälter (Plastiktüte etc.) in der Gefriertruhe aufbewahren. Sie sind ohne Probleme über ½ Jahr und mehr brauchbar.
Ist der Behälter nicht dicht genug, trocknet das Gefriergut aus.

Nährwert und Verdaulichkeitder überbrühten (und evtl. gefrorenen) Futtertiere werden nicht beeinträchtigt; die oft geäußerte Sorge ist gegenstandslos.

Das sind unsere Erfahrungen aus Jahrzehnten der Haltung (und Zucht!) diverser Ameisenarten im Labor.

MfG,
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Re: Kommentare zu Foreninhalten

Beitragvon Merkur » Mittwoch 3. Februar 2021, 11:34

Zum Kommentar von Geltungen zu vorstehendem Beitrag
Ein Thema was nie wirklich geklärt wurde: Gibt es Einbußen bzgl. der Inhaltsstoffe/Nährwerte von Futterinsekten durch Abbrühen. Auch, dass es nahezu 100% sicher ist, um Parasiten und Co. abzutöten.

Ich kenne keine wiss. Untersuchung zu evtl. negativen Auswirkungen des Überbrühens, und auch nicht zur Sicherheit des Erfolges gegen Parasiten etc..
Da das Kochen von Tierfutter (z. B. auch für Schweine) eine übliche und bewährte Praxis ist, die m. W. unschädlich ist, besteht wohl auch kein dringender Bedarf für solche aufwändigen Untersuchungen. Wer dennoch Zweifel hat, muss das wohl selbst austesten. Bekannt ist, dass z. B. Vitamin C beim Kochen von Gemüse, Obst etc. zerfällt. Wie weit das für Ameisen/ Insekten allgemein eine Bedeutung hat, kann ich nicht sagen. Wie im vorhergehenden Beitrag ausgeführt, lassen sich (viele) Ameisen mit überbrühten Insekten (plus Kohlenhydraten) über Generationen züchten. Somit bestand kein Bedarf für eingehendere Untersuchungen; es gab wesentlich interessantere Fragestellungen zu bearbeiten! Menschliche Arbeitskraft ist teuer.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, das es einige m.o.w. wissenschaftliche Versuche gab, Ameisen mit standardisierten künstlichen Diäten zu ernähren, z. B. mit bestimmten Vitaminen und Mineralien angereicherte Protein- und Kohlenhydrat-Mischungen Dies sollte die wünschenswerte Vergleichbarkeit von Experimenten sichern. Die mir bekannten Rezepte haben gravierende Mängel. Dennoch haben einige wiss. Autoren im "Material und Methoden"- Teil ihrer Veröffentlichungen immer wieder z. B. die "Bhatkar-Whitcomb-Diät" angegeben; sie wird u.a. sogar von Hölldobler und Wilson in ihren Büchern empfohlen (meist wird nicht erwähnt, dass Insekten +/- gelegentlich zugefüttert wurden; das erfährt man dann bei der direkten Befragung der Kollegen ;) ).

Ameisenhändler verkaufen jede Menge an "Nahrungsgelen", deren Zusammensetzung schlicht aus dem Ärmel geschüttelt ist . Wirklich experimentell untersucht ist m. W. keine davon (zumindest berufen sich die Anbieter nicht auf nachprüfbare experimentelle Untersuchungen. Sollte es solche geben, wäre ich an entsprechenden Veröffentlichungen interessiert). Gekauft werden die Nahrungsgele anscheinend nach dem Motto "Was teuer ist, muss auch gut sein". :roll: - Dass die Nahrungsgele von vielen Ameisenarten gefressen werden, wird hier nicht bestritten. (Vgl. "Fast Food" in der menschlichen Ernährung!)

Ich verweise auf zwei ausführliche Quellen:
- https://ameisenwiki.de/index.php/Nahrungsgel : Das Bhatkar-Rezept / Kritik! Sowie "Eine neue, voll synthetische Diät" /ebenfalls mit kritischer Beurteilung.
- viewtopic.php?f=23&t=589&p=3822 : "Bhatkar-diet und Nahrungsgele unbrauchbar für Ameisen"
Wobei auch die Problematik der Verfütterung von Proteinen und Kohlenhydraten in homogener Mischung angesprochen wird. Eine getrennte Verfütterung von z. B. Insektenteilen (an Larven) und Honig/Zucker (wichtiger für adulte Ameisen) ist damit nicht möglich.
Die Angaben, wonach die Futtergele "für alle Ameisenarten" (sinngemäß) geeignet seien, zeigen jedenfalls, dass man evtl. unterschiedliche Bedürfnisse der vielen Ameisenarten nicht untersucht und berücksichtigt hat. Für die im Handel laufend neu hinzu kommenden Arten gibt es auch keine für diese angepassten Futtergele. - Es ist wenig glaubhaft, dass die Bedürfnisse bei räuberischen, granivoren, pilzzüchtenden, sich gemischt ernährenden Ameisen etc. identisch sein sollen.

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