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„Gruselatmosphäre“ im Kreis Darmstadt-Dieburg

BeitragVerfasst: Montag 22. Juli 2019, 15:39
von Merkur
Sind wir jetzt schon so weit, dass die Sichtung einers Großen Grünen Heupferds (Tettigonia viridissima) einen Beitrag in der Tageszeitung (Darmstädter Echo, 22.07.2019) wert ist?

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Aus: Darmstädter Echo, 22. 07. 2019
Wikipedia: „Die Art gehört zu den häufigsten Laubheuschrecken Mitteleuropas.“ Und in der Tat kann ich mich gut erinnern, dass der Gesang der Männchen landauf – landab eine „Stimme des Sommers“ war. Man konnte sie entlang von Straßen und Feldwegen überall vernehmen, und auf studentischen Exkursionen konnte ich die Tiere eigentlich immer vorführen.
Das hat sich geändert; zumindest in Südhessen und Nordbayern, wo ich öfter unterwegs bin, ist sie mir in den letzten Jahren nur noch selten begegnet. Hier habe ich vor 2 Jahren über das letzte Exemplar berichtet, das ich zu Gesicht bekam.

Der Artikel informiert im Wesentlichen richtig über die Lebensweise dieser Heuschrecken. Bemerkenswert ist vor allem die langsame Entwicklung der in den Boden versenkten Eier: 1,5 bis 5 Jahre gibt Wikipedia an.
Und hier kommen mir die „Blühstreifen“ in den Sinn, die neuerdings so sehr beworben werden, und die tatsächlich auch nicht selten entlang von Straßen oder in der Feldflur zu sehen sind. Eigentlich eine erfreuliche Sache.
ABER: Viele dieser Blühstreifen sollen nach einer Saison, oder vielleicht nach zwei Jahren umgepflügt, dann evtl. neu angelegt werden. Insekten wie Schmetterlinge, Solitärbienen, aber auch Käfer und eben Heuschrecken, werden durch diese Futterquelle direkt bzw. mittelbar (Beutetiere für Räuber) angelockt. Doch wo bleibt der Nachwuchs dieser Tiere? Was geschieht mit den Eigelegen der Grünen Heupferde, mit im Boden lebenden Käferlarven und deren Puppen sowie denen von Schmetterlingen, die oft auch in der Erde zu finden sind?
Blühstreifen sind eindeutig gut für die Honigbienen, die solche Nahrungsquellen ausbeuten, und ihre Fortpflanzung im heimischen Bienenstock erledigen. Für viele andere Insekten wäre es sicher besser, wenn man die blühenden Flecken langfristig, über Jahre erhalten würde, so dass die dort angelockten Arten nicht nur einen Sommer lang den Betrachter erfreuen, sondern sich tatsächlich ansiedeln und fortpflanzen können, ohne dass ihr Nachwuchs gleich wieder vernichtet wird! - Mir erscheint dieser Gedanke nicht genügend verbreitet zu sein….

Nebenbei: Ausgerechnet gestern, 21. Juli, war auch in meinem Garten in Reinheim ein Weibchen von Tettigonia viridissima zu sehen. Es saß auf einem Tomatenpfahl. Ich habe das Tier nur vorsichtig eingefangen und meiner Frau gezeigt, was mit einem kräftigen Biss in meinen Daumen quittiert wurde (von der Heuschrecke ;)), dann durfte sie zurück ins Grüne. Sie flog gleich weg in den Nachbarsgarten.
Ich freue mich sehr, dass diese schönen Tiere noch bei uns zu beobachten sind, ganz ohne "Gruseln"! :)

MfG,
Merkur