Ameisenshops: Informationen, Kritik und Diskussion

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Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Anon » Donnerstag 21. März 2019, 10:24

Zum Wildtier-Schmuggel (im Allgemeinen):

EU-Gesetzeslücke hilft Wildtier-Schmugglern

Europa ist Umschlagplatz und Absatzmarkt für exotische Wildtiere, die in ihren Herkunftsländern illegal aus der Natur gefangen und außer Landes geschafft werden. Eine Gesetzeslücke ermöglicht Schmugglern, solche Tiere in Europa legal zu verkaufen. ... Viele Arten stehen nur in ihren Herkunftsländern unter Schutz, nicht international. ... Bei Sammlern sind oft Tiere begehrt, die selten sind. Bei Schmugglern sind Tiere beliebt, die maximalen Profit bei minimalem Risiko versprechen“, berichtet die Biologin. „Sind die gestohlenen Tiere einmal außer Landes geschmuggelt, dürfen sie legal im Internet und auf Tierbörsen als Heimtiere verkauft werden. ... Pro Wildlife fordert deshalb ein EU-Gesetz, entsprechend dem US Lacey Act: Dieser macht Import, Besitz, Kauf und Export von Wildtieren und -Pflanzen strafbar, deren Fang oder Ausfuhr im Heimatland gegen die dortigen Gesetze verstößt. „Ein EU Lacey Act würde klare Verhältnisse schaffen“, so Altherr. Länder wie Australien, Costa Rica oder Indien lassen keinerlei Wildtierexporte oder nur mit ausdrücklichen Genehmigungen zu.

Quelle: https://www.prowildlife.de/pressemittei ... hmugglern/

Ein Ameisenhändler und Blogger hat geschrieben:Arten aus Südamerika stehen auch wieder auf der "Bucket-List". Wir hoffen, dass wir so bald wie möglich wieder diverse Blattschneider und andere Arten anbieten können - leider ist das momentan schwer.

Vielleicht sollte sich so mancher Ameisenhändler zukünftig gut überlegen, ob er einem gewerbsmäßig handelnden Tier-Schmuggler wissentlich auch weiterhin seine Ware abnehmen wird, um sie dann im Internet "legal" weiter zu verkaufen. Zumal im o.g. Fall der Lieferant wohl noch nicht mal eine ordentliche Rechnung für die gelieferte Ware ausgestellt haben dürfte. (Das könnte u.a. insbesondere für Steuerbehörden interessant sein. Zudem befindet sich einer der beiden - nun in Costa Rica vorbestraften - Schmuggler schon seit Jahren in einem Insolvenzverfahren.)

Und vielleicht sollte man sich als "Endverbraucher" zukünftig mehr dafür interessieren, woher genau die "Ware" kommt. Und ob sie legal und mit Genehmigung aus den Ursprungsländern entnommen wurde.

Zum vorgenannten Fall: Der ist wohl noch lange nicht abgeschlossen! Nach meinen Informationen liegt in Deutschland bereits eine Anzeige gegen einen der beiden Schmuggler vor. (Wahrscheinlich geht es darin wohl um Steuerhinterziehung, Insolvenzbetrug, ein nicht angemeldetes Gewerbe oder ähnliches.)

Werde hier weiter updaten, sobald es Neuigkeiten zum Thema gibt.
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Anon
 

Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Merkur » Donnerstag 21. März 2019, 11:28

Hallo Emse,

Danke für den Beitrag!
Der US Lacey Act stammt aus dem Jahr 1900, und wurde 2008 ergänzt und um geschützte Pflanzen etc. erweitert. Hier sind weitere Informationen zu finden.
Ich muss zugeben, dass ich davon noch nie gehört hatte. Auch in den Diskussionen in den amerikanischen Ameisenforen war das noch kein Thema. Ein entsprechendes EU-Gesetz könnte tatsächlich hilfreich sein.

slide_2.jpg
slide_3.jpg

Aus der https://www.prowildlife.de/pressemittei ... hmugglern/ Pressemitteilung von 2016:
CITES-Schutz ist wichtig – reicht aber nicht aus
Auf der CITES-Konferenz wird ab Mittwoch über diese Schutzanträge verhandelt. „Diese Anträge sind richtig und wichtig – aber sie reichen bei weitem nicht aus, um das Problem zu lösen“, sagt Altherr.
„Denn im Handel sind hunderte, wenn nicht gar tausende Arten, die in ihrer Heimat streng geschützt, aber nicht bei CITES gelistet sind.“ Die EU hat für die CITES-Konferenz eine Resolution vorgeschlagen,
die die Herkunftsländer ermuntert, ihre national geschützten in Anhang III von CITES zu listen. Pro Wildlife sieht diesen Vorstoß als Versuch der EU, sich ihrer Verantwortung als Absatzmarkt und Herkunft
der Tierschmuggler entziehen: „Die EU will, dass Herkunftsländer wie Brasilien, Iran, Vietnam oder Pakistan die alleinige Vollzugsarbeit leisten. Länder wie Brasilien, Mexiko oder Australien haben tausende
national geschützte Arten. CITES Anhang III würde zu einem Telefonbuch aufgebläht werden – ein Alptraum für jeden Vollzugsbeamten“, so Altherr.

Selbstverständlich kann der Import von so zahlreichen Organismen nicht durch Zollbeamte kontrolliert werden, wo selbst Fachleute sehr oft mit der Identifikation der Arten überfordert wären.
Richtig ist aber, dass wenigstens der offene Handel mit solchen Organismen gebremst würde. Natürlich könnten dann geschützte, aber falsch deklarierte Arten nach wie vor offen gehandelt werden,
doch wäre das wenigstens mit einem hohen Risiko verbunden.
Es sollte heute auch möglich sein, die bei Importen angegebenen Artnamen elektronisch mit einer umfangreichen CITES III-Liste abzugleichen.
Hoffen wir auf baldiges Tätigwerden der EU-Behörden!

MfG,
Merkur
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Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Reber » Freitag 29. März 2019, 15:27

Die Aargauer Zeitung berichtet über einen der wenigen Ameisenhändler aus der Schweiz
Dieser Aargauer hat ein spezielles Hobby – er handelt mit Ameisen

https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/w ... -134175829
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Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Emse » Dienstag 17. Dezember 2019, 19:22

Dieser neue Ameisenshop irritiert mich etwas. Irgendwie fehlt mir da die klare Linie:

"Ihr Ameisen Shop" / http://www.ameisen.co.de/

;) ^^
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Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Reber » Dienstag 17. Dezember 2019, 19:44

Naja, die Linie finde ich schon recht klar. Die mögen einfach keine Hautflügler (ausser die aus Kunststoff)! Weil das "Insekten-Schutzhaus", welches auf den ersten Blick etwas aus der Reihe zu tanzen scheint: 1. viel zu kurze Niströhrchen, mit dafür aber viel zu grossem Durchmesser hat. Da geht höchstens mal eine allerwelt Mauerbiene rein, wenn im Umkreis sonst absolut nichts verfügbar ist. Die hat dann 2. aber Pech, weil sich in den Holzspänen oben und unten längst Käfer und Ohrwürmer etc. angesiedelt haben, die sich an den Pollen und Larven der Bienen gütlich tun werden...
Ich nehm den Shop mal nicht in die Liste der Händler auf, wenn`s o.k. ist. :fettgrins:
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Re: Ameisenshops: Kritik und Diskussion

Beitragvon Emse » Donnerstag 26. Dezember 2019, 15:07

Neuer Shop in Österreich: Nach AntsHome.at (Simon Eher, "Österreichs erster Ameisenshop", seit 2015) nun ein Ableger des Berliner Antstores, Antshop.at (Daniel Höllwarth, "ANTSHOP AUSTRIA, ein Partnershop vom Antstore"). Video dazu:

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Ameisenshops: Infos, Kritik und Diskussion

Beitragvon Emse » Sonntag 5. Januar 2020, 21:15

Habt ihr gewußt (bzw. hättet ihr gedacht), dass sich viele gewerbliche Anbieter von Ameisennestern ihr Design "patentieren", bzw. als Gebrauchsmuster schützen lassen? In der Auflistung findet man prominente Namen wie Bianca Beyer, René Hiersigk und Martin Sebesta:

https://patents.google.com/?q=formicari ... age=GERMAN

Ein Beispiel für den damit verbundenen recht hohen Aufwand:
Ameisenfarm und Befeuchtungs-/Heizmodul dafür

Abstract
Ameisenfarm (1) mit einem im Wesentlichen kastenförmiger Körper mit einer Bodenfläche (11), zwei gegenüberliegenden Seitenwänden, einer die Seitenwände verbindenden Oberseite sowie einer Rückwand und einer transparenten Vorderseite, wobei zwischen Bodenfläche (11) und Oberseite mehrere zueinander beabstandete, zwischen den Seitenwänden verlaufende Etagenböden (161) mit mindestens einem Auf- und Abgang (162) zwischen zwei Etagenböden angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass der kastenförmige .... [usw.]

Das gesamte Dokument ist ellenlang, nebst detaillierten Zeichnungen des zu schützenden Produktes:
https://patents.google.com/patent/DE202016103827U1/de

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Edit: Ich wäre dafür, den Titel des Threads um ein Wort zu erweitern, und zwar von "Ameisenshops: Kritik und Diskussion" in "Ameisenshops: Infos, Kritik und Diskussion". (Beispiel siehe oben in diesem Post.) ;) @ Merkur, einverstanden?
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Re: Ameisenshops: Informationen, Kritik und Diskussion

Beitragvon Antspy » Dienstag 7. Januar 2020, 12:04

Das exakte Design zu schützen ist ja in Ordnung - keiner will seine Arbeit 1:1 kopiert haben. Aber teilweise lesen sich diese Anträge wie "Heißes Wasser: Der Zweck dieser Erfindung ist Wasser erwärmen". Ein Patent bzw. einen Gebrauchsmusterschutz auf das allgemein *Prinzip* von Ameisenfarmen bzw. Arenabecken (vulgo Terrarien/Vivarien/etc.) wird wohl kaum einer genaueren Überprüfung standhalten oder erteilt werden. Da ich meine Designs häufig online unter der CC-Lizenz zur Verfügung stelle, sind sie dort als durch die Veröffentlichung sowieso geschützt. Bei kommerziellen Designs für Ameisenfarmen wird seit Jahrzehnten "abgeguckt" - es setzt sich durch, was funktioniert. Da hilft auch ein Gebrauchsmusterschutz nichts, denn oft reichen schon geringfügige Änderungen an der Grundidee um als eigenständiges Design zu gelten. Ein Problem, das man bei uns in der Familie kennt - wir haben einige Gebrauchsmuster schützen lassen, aber das Durchsetzen ist im eigenen Land schwer, im Ausland beinahe unmöglich.

Jedenfalls... Stichwort "Trivialpatent". Da Ameisenfarmen seit mindestens Jahrzehnten gebaut werden, ist die Schöpfungshöhe äußerst gering. Bitte nicht verwchseln mit dem durchaus sehr realen Arbeitsaufwand, ein auf den Grundprinzipien basierendes Formicarium zu designen und zu bauen - ich sitze teilweise an Designs -zig Stunden und habe leicht 15 Iterationen, bevor ich damit zufrieden bin. Und dann kommt erst die Testphase mit den Tieren (Ausbruchssicherheit und so weiter) und das Einarbeiten der dadurch gewonnenen Erkentnisse... :)
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