Woher bekommt man Springschwänze? Selber fangen!

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Woher bekommt man Springschwänze? Selber fangen!

Beitragvon Reber » Dienstag 29. Dezember 2020, 19:56

Wo kann ich Springschwänze kaufen? Dieser Frage begegnet man seit Jahren ganz regelmässig in den Ameisen-Foren. Kein Wunder, die kleinen Tierchen sind nämlich in den Terrarien ganz schön nützlich. Sie betätigen sich als Bodenpolizei, beseitigen Abfall und Schimmel und sie halten sogar einige Milbenarten in Schach, indem sie diese stark konkurrieren und verdrängen.

Inzwischen sind Springschwänze fester Bestandteil der angebotenen Futtertierarten in der Terraristik geworden. Die wenigen millimeterlangen Tierchen sind besonders für die Aufzucht junger und für die Fütterung kleinere Frösche und Reptilien geeignet. Man bekommt (exotische) Springschwänze also in vielen Terraristikshops und Zoohandlungen in der Futtertier-Abteilung.

Es geht aber auch einfacher und vor allem günstiger: Denn Springschwänze sind häufig und überall verbreitet.
Sie leben quasi vor der Haustür, in jedem Garten, Kompost, Wald und sogar in fast jedem Blumentopf der seit längerem im Aussenbereich steht. Auch auf dem Balkon. Folsomia candida, eine der häufigen einheimischen Arten, wird nicht grundlos mit Trivialname auch Blumentopf-Springschwanz genannt.

Springschwänze leben zwischen der Streuschicht (z.B. im Laub) und der obersten Bodenschicht. Wer in seine Anlage solches Substrat ausbringt, hat sie höchstwahrscheinlich mit Springschwänzen – und anderen Bodenbewohnern „geimpft“. Meist pendelt sich nach einiger Zeit eine Art natürliches Gleichgewicht der Bodenbewohner ein. Es besteht aber auch das Risiko, z.B. Milben oder andere ungewollte Tierchen einzuschleppen - übrigens sind Milben leider auch oft in gekauften Zuchtsätzen von Springschwänzen mit dabei.

Um das Risiko zu verringern, gibt es folgende Methode:

1. Man nimmt mit einer kleinen Gartenschaufel etwas Laub und Waldboden, einige cm feuchte Erde aus dem Garten oder einem Pflanzentopf, gut geeignet sind auch am Boden liegende Pflanzenreste und Moospolster.

1 Springschwänze fangen.JPG
Springschwänze leben in der Bodenschicht, es ist einfach sie zu sammeln.

2. Man verteilt das gesammelte Substrat gleichmässig am Boden in einer beliebigen Plastikdose mit passendem Deckel. Meistens kann man in diesem Moment bereits einige andere Bodenbewohner erkennen. Die Grossen, wie Asseln, Spinnen,Würmer oder Tausendfüssler kann man mit der Federpinzette entfernen und frei lassen.
Spätestens mit der Lupe erkennt man oft, dass sich im Boden auch Milben, (Faden-)Würmchen, Trauermückenlarven oder ähnliches befinden. Die meisten Milben dürften zwar harmlose Moos- oder Bodenmilben (Oribatida) sein. Um aber möglichst nichts Ungewolltes einzuschleppen, kommt hier der nächste Schritt:

2 Substrat in Dose auslegen.jpg
Zu Hause wird das Substrat in einer Dose ausgelegt.

3. Die Dose wird langsam mit handwarmem Wasser aufgefüllt. Wenn das Wasser noch nicht das ganze Substrat abdeckt, kann man noch einmal unerwünschten Beifang herausfischen. Dann füllt man weiter Wasser ein, bis es das ganze Substrat zudeckt ist. Schwimmende Teile werden mit Steinchen beschwert oder von der Wasseroberfläche entfernt. Der Deckel wird aufgesetzt und das Ganze wird einige Stunden stehen gelassen.

3 Dose langsam mit Wasser füllen.JPG
Dann füllt man die Dose langsam mit Wasser. Ein Kugelspringer hat sich an den Rand gerettet.

Oft sieht man beim Fluten mit Wasser bereits die ersten Springschwänze und Kugelspringer aufspringen. Sie überleben das Prozedere grösstenteils, in dem sie auf der Wasseroberfläche schwimmen, bzw. an die Wände und den Deckel springen. Milben und andere Kleinstlebewesen schaffen das in der Regel nicht, viele ertrinken. Man kann die gewünschte Wirkung noch verstärken, in dem man auf die Dose klopft, um Milben, die sich evtl. an eine Seitenwand retten konnten, wieder ins Wasser fallen zu lassen.

4 Unerwünschten Beifang entfernen.JPG
Unerwünschter Beifang wird entfernt.

6 Kugelspringer an Wasseroberfläche.JPG
Ein weiterer Kugelspringer schwimmt auf der Oberfläche.

5 Springschwänze schwimmen an der Wasseroberfläche.JPG
Springschwänze schwimmen auf der Wasseroberfläche.

4. Nun kann man die Dose öffnen und die Springschwänze von der Wasseroberfläche einzeln abfischen und in eine trockene Dose schütteln. Meist sind es mehrere Arten, die man findet, es ist darum wichtig, möglichst viele Exemplare der selben Art heraus zu lesen. Wer es nicht so genau haben will, kann auch alle Tiere vom Deckel in eine sterile Dose schütteln. Und die verbleibenden Insekten auf der Wasseroberfläche mit einem Teesieb abfischen und ebenfalls in die Dose klopfen. Hier besteht natürlich das Risiko von unerwünschtem Beifang. Deshalb kann man mit einer guten Lupe noch einmal kontrollieren, ob es nur noch Springschwänze hat, bevor die Tiere in die gewünschte Anlage kommen.

7 Abgefischter Kugelspringer.JPG
Ein Kugelspringer wurde mit der Federpinzette abgefischt und ist in eine leere Dose gehüpft.
8 Abgefischter Springschwanz.JPG
Ein abgefischter Springschwanz in der selben Dose.
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